11.5.07

Warum unterbleibt so häufig der notwendige Jährlingsabschuss im Mai?
















Jährlingsspießer und Knopfböcke im Mai

Photo: Jagdmagazin "Wild und Hund"


Wenn jetzt im Mai wieder die Jagd auf den Bock beginnt, wird sichtbar, ob sich die Jäger an die guten Vorsätze auch gehalten haben, den Jährlingen beim Abschuss den Vorrang zu geben. Bei einigen Jägern hat man aber den Eindruck, dass es wirklich nur bei den guten Vorsätzen geblieben ist.

Die Rotwildringe haben durch eine konsequente Einhaltung der Abschussvorgaben in der Rotwildhege große Erfolge erzielt. Ein starker Eingriff in die Jugendklasse hat diesen Erfolg möglich gemacht.

Es ist auch unbestreitbar, dass die Altersansprache des Rotwildes durch einen erfahrenen Jäger einfacher ist, als die Altersansprache beim Rehwild, zumal alte kapitale Hirsche meist über die Reviergrenzen bekannt sind.
Auch sind Rotwildreviere oft größer, als reine Niederwildreviere und die Koordination einer flächendeckenden Abschussüberwachung einfacher.

Warum aber tritt die Rehwildhege weiterhin auf der Stelle?

Noch immer wird der Grundsatz, im Mai ausschließlich Jährlinge zu schießen, nicht von allen Jägern beherzigt. Dadurch wird auch die Vorgabe, mindestens 40% besser 50% des Abschusses in der Jährlingsklasse erfolgen zu lassen, nicht erreicht.

Dabei ist dieser Grundsatz beim Rehwild wichtiger denn je. Auch ist die Altersbestimmung des schwachen Jährlingsspießers und Knopfbocks - im Gegensatz zum älteren Bock - sehr einfach. Das noch jugendliche Gesicht, das Gehörn ohne Masse und Vereckung machen das Ansprechen des schlechten Vererbers einfach.
Zudem wird der Jährling im Mai , nachdem er von der Ricke verstoßen wurde, ständig von seinen aggressiven älteren Geschlechtsgenossen auf die Läufe gebracht. Er irrt, einen bescheidenen Einstand suchend, durch das Revier. Der Jährling ist im Mai so bewegungsaktiv wie zu keiner Zeit des Jahres. Der Mai ist somit geradezu ideal, um sich ausschließlich dem notwendigen Jährlingsabschuss zu widmen.

Wenn es dann Anfang Juni im Revier ruhiger wird, weil die Böcke heimisch werden, um sich auf die anstrengende Blattzeit vorzubereiten, ist es dann zu spät, die noch auf dem Abschussplan fehlenden Jährlinge zu erlegen.

In der Blattzeit gilt es dann dem älteren Bock, der in dieser Zeit keinen Jährling auch nur in seiner Nähe duldet. Diesen bekommt man in der Blattzeit kaum noch zu Gesicht und wenn dann die Jagdzeit auf den Bock im Oktober endet, stellt man rückwirkend fest, dass das Planziel, 50% Abschuss in der Jugendklasse mal wieder nicht erfüllt wurde.

Auch wenn der Jährling keine vorzeigbar kapitale Trophäe darstellt, gilt es im Mai, die Jagd ausschließlich dem Jährling zu widmen und das Erlegen des älteren Bockes in die Blattzeit zu legen.
Alle Jäger sollten beim Anblick eines Jährlings im Mai mit schwachem Gehörn den Grundsatz im besonderen beherzigen, der da lautet:

"Was Du heute kannst besorgen,
das verschiebe nicht auf morgen."


waidmannsheil


Euer


stefan



Weitere Berichte zum Thema Blattzeit, Rehbrunft und Bockjagd:

Regeln für die Bockjagd zur Blattzeit bitte hier klicken

Wenn der achte Monat kommt... bitte hier klicken

Woran erkennt man den alten Bock? bitte hier klicken

Wenn der Weißdorn blüht, (Anfang Juni) wird der Bock selten bitte hier klicken

Die Totenwacht- Ein Moment der Besinnlichkeit bitte hier klicken

Der abnormste Bock 2007 kommt aus der Steiermark bitte hier klicken

Eine Jährlingsspießerdoublette bitte hier klicken

Mein erster Ansitz mit einer Jägerin bitte hier klicken

Bericht vom Jungjägerseminar bitte hier klicken

Wo noch starke Böcke heranwachsen können bitte hier klicken

Der Einstangenspießer- Geduld zahlt sich aus bitte hier klicken

Kommentare:

Hans C. Graf zu Toerring-Jettenbach hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Fügner,

"Ich finde es besonders gut, dass Sie den Abschuss von 1-jährigem Rehwild ab Mai in Ihrem Blog fördern. Ich versuche diese Auffassung auch in unseren Revieren (Landkreise FFB und STA) zu fördern. - Warum ? - Weil ich der
festen Überzeugung bin, dass wir nur schwaches, aber auch indifferente Jährlinge und Schmalrehe erlegen müssen, um in den Folgejahren 1-2 optimale Individuen/100 ha Einstandsfläche zu erhalten. Auslesefaktoren in dieser Sozialklasse sind dabei ausschließlich die Wildpretleistung, die Länge des
Skeletts (Rahmen), aber auch die Gesichts- bzw. Nasenlänge.

Im Herbst ist es förderlich eine ausreichende Anzahl von Kitzen (frühzeitig in der Jagdsaison) zu erlegen, um schwache oder mittelstarke Kitze rechtzeitig der Wildbahn zu entnehmen. Nach VODNANSKY sollen mehr als 50% aller Kitze mehr oder minder stark parasitiert sein, so dass mit einem
konsequenten, aber auch frühzeitig eingeleiteten Kitzabschuss eine optimierte Wildpretleistung in den Folgejahren gefördert werden kann."

Ich bin ein großer Freund der Hege von optimalen Sozialklassen. Unsere
Erfahrung gibt mir dabei Recht.

Mit

Hans C. Graf zu Toerring-Jettenbach

GTJ Superior Line Markeing GmbH
Postfach 1131, D-82224 Seefeld

Telefon +49 (8152) 79992
Telefax +49 (8152) 76306
Mobil +49 (179) 7912194

http://www.toerring-seefeld.de/superior_line/

Anonym hat gesagt…

Hallo Stefan,

so wie Du es schreibst so habe ich das auch verstanden waehrend meiner Ausbildung zum Jaeger. Aber gleich schon

als Junjaeger habe ich auch die unterschiedlichen Aspekte der Wildbewirtschaftung kennen lernen duerfen, seit dem

ich nun als Begeher in einem Revier in Brandenburg jagen kann.

Viele Paechter rechnen mit spitzem Bleistift, nachdem das Wildbret die zu meist einzige mgl. ist,

Deckungsbeitraege fuer die Revierpacht, -pflege und -einrichtung, sowie Wildschaeden zu erwirtschaften. Seitdem

auf der Habenseite seit Jahrzehnten auch keine Balgverwertung mehr mgl. ist, sind die Moeglichkeit stark

eingeschraenkt.

So kann und will man es sich offenbar nicht leisten positivistisch nach oekoLOGISCH sinnvollen Kriterien

Wildbestaende fuer das Biotop zu hegen, sondern ist gehalten nach oekoNOMISCH tragbaren fuer den Paechter zu

pflegen. So wird nur erlegt was vermarktbare Wildpretmasse traegt oder krank ist und geschohnt wird was nicht zu

vermarkten ist oder die Population im Folgejahr verstaerkt.

Und so erklaerte sich fuer mich auch sogleich die Ablehnung gegenueber einem Prof. Pfannenstiel, der fuer eine

scharfe Schwarzwildbejagung, mit Bachenabschuss und Bejagung der nur Wochen alten Frischlinge wirbt.

Im Staats- und Landesforst hat Wild wieder einen anderen Stellenwert, dann das zu erhaltende Kapital ist das

Holz. So verwundert es eben auch nicht, wenn dort Anweisungen gegeben werden auf und nicht hinter das Blatt zu

schiessen. Der Wildhaendler interessiert sich eh nur fuer alles was nach dem Blatt kommt.

In Anbetracht der Umgestaltung unserer Landschaft hin zu einer oekonomisch effizienten Anbauflaeche fuer die

Land-/Forst- und Tourismuswirtschaft, sollte es nicht verwunderlich sein, wenn Jagdpaechter diesen Bedingungen

nicht auf idealistische Weise widerstehen.

Waidmanns Heil
CP