14.3.15

Die flächendeckende Wiedereinbürgerung des Wolfes bedroht die Offenlandflächen als Teil unserer Kulturlandschaft

Offenlandflächen, wie hier das Niederoderbruch, sind das Herzstück unserer Kulturlandschaft. Ihr Artenreichtum ist einzigartig. Erst die Beweidung durch die Viehhaltung sichert diese vom Menschen geschaffenenen Flächen und ihre vielfältige Flora und Fauna
Photo: Johannes Nölke

Seit einigen Monaten nun häufen sich die Meldungen über Wolfsrisse auch in Gebieten, in denen der Wolf bisher noch nicht oder eher selten angetroffen wurde. Auch beschränken sich die Risse noch überwiegend auf Schafe, die auch im Winter ohne Stall auskommen. Zur Beruhigung Seitens der Politik und der Wolfsbefürworter werden den Viehhaltern großzügige Entschädigungszahlungen versprochen.

Scheinbar hat sich aber noch kein einziger Befürworter der Wiederenbürgerung des Wolfes über die Pflege unseres Offenlandes durch die Weidewirtschaft Gedanken gemacht. Auch hier wird wieder erkennbar, wie wenig Kenntnisse bezüglich unserer Kulturlandschaft und deren Erhalt bestehen. Seit vielen Jahrhunderten werden die der Natur abgerungenen Offenlandflächen durch die Beweidung durch Vieh gepflegt. Unterbleibt die Pflege, kommt es zur Verbuschung und Verwilderung. Eine unfreiwillige Renaturierung von Teilen unserer Kulturlandschaft  wäre die Folge. Die Offenlandpflege durch die Weidewirtschaft wird überwiegend ökologisch betrieben, um eine hohe Artenvielfalt auf den Flächen zu gewährleisten. Dadurch wird nicht nur ökologisch wertvolles Vieh gehalten und produziert, auch der Arten- und Naturschutz und die seit Jahren geforderte Biodiversität wird gefördert. Durch das Offenland, ursprünglich durch den Menschen durch Rodung und Trockenlegung geschaffen, entstanden völlig neue Biotope. Durch eine weitestgehend extensive Bewirtschaftung durch die Weidewirtschaft wird dieser weltweit einmalige Teil unserer Kulturlandschaft erhalten.

Doch was passiert, wenn immer mehr Bauern, die unser Offenland mittels Weideviehnutzung pflegen, die Viehwirtschaft wegen häufiger Wolfsrisse einstellen?

Sie liefern nicht nur ökologisch wertvolles Fleisch, sie pflegen auch die Offenlandflächen unserer Kulturlandschaft. Winterharte Gallowayrinder

Bei der großzügig angebotenen Entschädigung bei Wolfsrissen durch die Landesregierungen kann nicht darüber hinweg gesehen werden, dass ein Landwirt irgendwann die Lust an seiner Landwirtschaft verliert, schließlich will er das erzeugte Vieh verkaufen. Zumindest ist es nicht seine primäre Aufgabe, Entschädigungszahlungen zu beantragen. Und schon gar nicht kann es seine Hauptaufgabe sein, für unsere wiedereingebürgerten Wölfe das Futter zu produzieren. Schnell könnte der Entschluss reifen, die komplette Viehhaltung auf Offenlandflächen einzustellen, die Pachtverträge nicht zu verlängern  und die Flächen sich selbst zu überlassen. Diese wäre für unsere Offenlandflächen und dem damit verbundenen Natur- und Artenschutz der Supergau! Schon nach wenigen Jahren wären diese ökologische wertvollen Flächen durch Verbuschung und Versumpfung unwiederbringlich verloren.

Es ist dringlicher denn je, dass sich unsere Politker und Naturschutzverbände intensiv mit der Problematik "Die Wiedereinbürgerung des Wolfes und dessen Auswirkungen auf die Pflege unserer Offenlandflächen" langfristig auseinander zu setzen. Alleine großzügige Versprechungen, Entschädigungszahlungen zu leisten, mögen die Gemüter kurzfristig beruhigen, sie reichen aber für eine langfristige Lösung des Problems nicht aus!

waidmannsheil

Euer

stefan