1.7.13

Der Veggietag am Donnerstag hieß früher Eintopfsonntag

In Deutschland hat die Politisierung der Essgewohnheiten eine lange zweifelhafte Tradition



Seit 2010 propagiert ( kommt von Propaganda) der Vegetarierbund Deutschland e.V.  den Veggietag. An diesem Tag soll sich der deutsche Michel angewöhnen, fleisch- und fischlos zu ernähren. Und dem Tag, an dem das zu geschehen hat, wurde auch schon unverrückbar festgelegt:

Donnerstag ist Veggietag

Nun möchte ich, bevor ich mich über das überzogene Sendungsbewußtsein dieser gesellschaftlichen Randgruppe der Vegetarier und Veganer auslasse, klar stellen, dass ich als Jäger und begeisterter Wildfleischhobbykoch nichts gegen Vegetarier habe. Auch ich habe, obwohl ich ständig mehrere 100 kg bestes Wildfleisch vorrätig habe, einen fleischlosen Tag eingerichtet. Dies fällt mir allerdings nicht schwer, weil frische Pellkartoffeln mit einem selbst angemachten Kräutersahnequark und zerlassener Butter meine Lieblingsspeise ist.

Allerdings möchte ich mir von niemanden vorschreiben lassen, ob und wann ich diesen fleischlosen Tag einlege. Doch genau wenn dies politisch propagiert wird, lehne ich es ab, da ich mich bevormundet fühle.

Die wachsende Zielgruppe  dieser "Veggietagpropaganda" sind die LOHAS (Livestyles of health and sustainibility). Wer sich an diesem anglizistischen Begriff stört, ersetze ihn durch die in der urbanen Welt weit verbreitete Gesellschaftsschicht der Ökoschickeria. Von der Natur völlig entfremdet, beruhigt sie ihr schlechtes Umweltgewissen mit dem Kauf von Ökoprodukten aus dem Bioladen.
Will man den Prozess der Ernährungsumerziehung dynamisieren, bedarf es der Politisierung des Themas, weshalb man sehr erfolgreich daran arbeitet, fast täglich mit der Unterstützung der Politik in irgendeiner Stadt in Deutschland den Veggidonnerstag ins Leben zu rufen.

Anfang letzten Jahres war es dann soweit: Stolz verkündet die Albert-Schweitzer-Stiftung "Veggietag im Bundestag". Man ist in der obersten politischen Ebene angekommen!
 
Als Hobbyhistoriker überkommt mich bei der Betrachtung dieser Vorgänge großes Unbehagen, schließlich hat diese ernährungspolitische Umerziehung in Deutschland eine unrühmliche Vergangenheit.
Schon Adolf Hitler waren die riesigen Fleischmengen, die sein Volk so jährlich in sich hineinschaufelte, ein Graus. Hitler, der sich selbst fast ausschließlich  fleischlos ernährte, nutzte seine vegetarischen Essgewohnheiten dazu, mit Hilfe seines Propagandaminsters Dr. Göbbels den Eintopfsonntag zu propagieren.



 Propagandaplakat zum Eintopfsonntag 1933

Es liegt mir völlig fern, die Vegetarierbewegung in eine faschistische Ecke zu drängen. Es sind vielmehr die sich so gleichenden Methoden der Umerziehung durch Unterstützung der Politik, die mich stören.

"Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden" ist der Grundsatz des toleranten Staates. Dies gilt auch für die Ernährung. Und deshalb hat er es zu unterlassen, den Menschen in Kantinen, Mensen oder sonstigen öffentlichen Gastronomieeinrichtungen das vegetarische Essen aufzuzwingen, auch wenn es nur für eine Tag ist.

Es ist die Aufgabe des Staates, den Menschen durch Bildung im Ernährungsbereich die Möglichkeit zu geben, sich selbstbestimmt zu ernähren. Ein Veggietag löst diese Bildungsdefizite nicht, auch wenn  man den Eintopfsonntag von 1933 in Veggietag umbenennt und statt der Fettlücke, die die Nazis schließen wollten,  diesmal Tieren oder der Umwelt helfen will.


 waidmannsheil


Euer

stefan 
  

Buchempfehlung zum Thema: Autor: Andreas Möller
Das grüne Gewissen: Wenn die Natur zur Ersatzreligion wird