2.11.13

Klausurtagung des Jagdvereins Lehrprinz e.V. im Stift Schlägl


Ein 800 Jahre altes Unternehmen weist den Weg in die Zukunft

Mit der Neubesetzung des Vorstandes des Jagdverein Lehrprinz e.V. in diesem  Sommer war der erste Schritt zur Neuausrichtung des Jagdverein Lehrprinz e.V. getan. Die in den letzten Monaten zusammengetragenen Informationen und Kontakte galt es nun in einer Klausurtagung zu ordnen und die weiteren Schritte der Vereinsarbeit zu koordinieren.
Da bot es sich an, das Gute mit dem Nützlichen zu verbinden. So machte sich der engere Vorstand am 26.10.2013 auf den Weg nach Oberösterreich in den Bezirk Rohrbach ins Stift Schlägl, um im stiftseigenen Seminarzentrum eine Klausurtagung abzuhalten ohne jedoch das wichtigste Vereinsziel, die Jagd, zu vernachlässigen. Untergebracht waren wir im Seminarzentrum des Stifts und somit wurden wir für mehrere Tage Teil einer fast 800 Jahre alten Klosteranlage. Über die Tage unseres Aufenthaltes wurde uns  vom Leiter des Forstamtes des Stifts, Ordensbruder Johannes, die Historie und die heutigen Stellung des Stifts Schlägl nähergebracht.

800 Jahre gelebte Nachhaltigkeit


                                                                Das Wappen des Stift Schlägl


Wer glaubt, dass es sich bei den Ordensbrüdern des Stifts Schlägl um Mönche handelt, die sich, abgewendet vom weltlichen Leben, zurückgezogen hinter Klostermauern verbergen, wird hier im Stift Schlägl eines Besseren belehrt. Schon seit  Beginn ihrer Gründung verstehen sich die Ordensbrüder des Stifts Schlägl, das zum Orden der Prämonstratienser gehört, nicht nur als Seelsorger. Der Orden sieht sich in der Pflicht, seine Schaffenskraft und Jahrhunderte alten Kenntnisse der Bewirtschaftung von Grund und Boden der umliegenden Region zu gute kommen zu lassen. Aus dieser Verpflichtung hat sich über die Jahrhunderte das Stift zu einem bedeutenden Unternehmen im Bezirk Rohrbach im oberen Mühlviertel Oberösterreichs entwickelt, das heute nicht weniger als 180 Mitarbeiter beschäftigt.  Zum Stift Schlägl gehören nicht nur 6.000 ha Wald und die Klosteranlage, in der sich die Verwaltung, das Forstamt,  das Seminarzentrum mit 35 Zimmern und der Stiftskeller mit fast 100 Sitzplätzen befindet. Auch eine Brauerei und ein Kraftwerk werden betreiben. In Kooperation mit einer Skiliftgesellschaft betreibt man auch die gesamte Dienstleistung rund um die Skiliftanlage Hochficht.


Doch das Stift als bedeutendes Unternehmen der Region lässt sich nicht von der modernen Philosophie kurzfristiges Gewinnstreben leiten, sondern führt seine Unternehmungen nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit. Alle unternehmerischen Entscheidungen werden nicht nur nach ökonomischen, sondern auch nach ökologischen und sozialen Aspekten gefällt. Wer im Spannungsfeld dieser drei Aspekte seine unternehmerischen Entscheidungen fällt, macht es sich nicht einfach. Dies zeigt auch der Link auf der Homepage des Stifts. Dort nimmt das Thema nachhaltiges Wirtschaften einen breiten Raum ein.

Der Begriff Nachhaltigkeit ist heute in aller Munde und wird schon fast inflationär verwand. Doch in dem meisten Unternehmen kommt man über ein vollmundiges Lippenbekenntnisse zur Nachhaltigkeit nicht hinaus. Doch im Stift Schlägl wird unter den Begriffen „Tradition, Werte, Weitblick“ Nachhaltigkeit seit Jahrhunderten gelebt. Die eigenen Ausarbeitungen zum Thema Nachhaltigkeit  werden in einer ausführlichen Datei dargelegt. (PDF Datei „Nachhaltiges Wirtschaften im Stift Schlägl“)






                                               Der Eingang zum Seminarzentrum im Stiftshof


6000 ha Wald, das Sparbuch des Stifts

Natürlich durfte im Rahmen der Klausurtagung eine Exkursion durch die Wälder des Stifts nicht fehlen. Und so fuhren wir unter der fachkundigen Führung des Forstamtsleiters und Ordensbruders Johannes hinauf in den Böhmerwald zum Plöckenstein. Die Staatsgrenze zwischen Osterreich und Tschechien bildet hier im Norden die Grenze des Stiftswaldes. Im Westen bildet die Staatsgrenze zu Bayern die Grenze. Der Stiftswald liegt somit direkt im Dreiländereck Deutschland-Österreich-Tschechien. Auf dem Weg  dorthin fuhren wir an überwiegend mit Fichten bewachsenen Hängen vorbei. Doch auch hier im Stiftswald setzt man auf Naturverjüngung und die Buche nimmt immer mehr Raum ein. Besonders beeindruckend war der große Anteil weit über 100 Jahre alter Fichten, wie man sie aus Staatsforstbetrieben nur selten sieht. Unlängst wurde, wie Bruder Johannes berichtet, eine über 300 Jahre alte Fichte gefällt. Verwendung fand dieser massige Baum bei einem Streichinstrumentenhersteller, denn nur aus solchen alten Fichten lassen sich die Körper von Kontrabassen herstellen.
Doch als wir den Plöckenstein erreichten, zeigte sich ein ganz anders Bild. Der Gipfel gleicht einer Mondlandschaft. Große Flächen abgestorbener Fichten, die nadellos zwischen Felsbrocken in den Himmel ragen, prägen das Bild. Nur zaghaft bilden sich zwischen meterhoch aufgehäuftem verwittertem Totholz erste neue Fichten. Im angrenzenden Nationalpark Bayerischer Wald wird erprobt, ob man den Wald und die Natur sich völlig selbst überlässt. Die Borkenkäferplage wird dort nicht bekämpft und so hat sich dieser Forstschädling auch auf den Böhmerwald ausgebreitet.  Hier zeigt sich einmal mehr, dass eigensinnige Entscheidungen des Naturschutzes immer auch direkten Einfluss auf angrenzende Flächen haben, auch wenn dies nicht beabsichtigt ist. Für den Stiftswald sind diese Auswirkungen ein millionenschwerer Eingriff in den Vermögenshaushalt.            



Wertezerstörung im Namen des Naturschutzes. Mit Forstamtsleiter Bruder Johannes auf dem Plöckenstein, im Hintergrund der vom Borkenkäfer zerstörte Stiftswald


Jagd im Stiftswald

Natürlich ging es am Abend auf den Ansitz im Stiftswald. Da bereits im Oktober in 1.000 Meter Höhe die Abende empfindlich kalt werden, stehen den Jagdgästen geschlossene Kanzeln in tadellosem Zustand zur Verfügung.  Zusammen mit dem angrenzenden tschechischen Böhmerwald ist der Stiftswald Teil eines mehrere  10.000 Hektar großen Gebirgswaldbiotops. Reh- Rot- und Schwarzwild sind die Hauptwildarten, aber auch er Luchs ist hier längst wieder seine Fährte.  Auch wenn wir nicht zu Schuss kamen, so waren die Ansitze bei herbstlichem Sonnenwetter eine Augenweide. Auf einem Ansitz konnte ich weit Richtung Süden blicken, wo am Horizont die Abendsonne  die Spitzen des Dachsteinmassivs beleuchtete.    

Besuch des Jagd- und Forstgutes Stubwies


Da sich unter den Ordensbrüdern des Stiftes zahlreiche passionierte Jäger befinden und der Stiftswald für das Gamswild nicht die notwendige Höhe hat, besteht seit vielen Jahren ein enges Verhältnis zum Jagd und Forstgut Stubweis unweit Spital am Pyhrn. Und so fuhren wir, um auch eine echte Hochgebirgsjagd zubesichtigen, für 2 Tage in den Süden Oberösterreichs an die Grenze zur Steiermark.
Über 9 km beträgt die Strecke von der Talstation bis auf das auf 1.400 Meter Höhe gelegene  Hochplateau der Wurzeralm. Mehrere 1.000 ha groß ist das Naturschutzgebiet, das forstwirtschaftlich völlig ungenutzt  und Teil des Nationalparks Oberösterreichische Kalkalpen ist. Dadurch wird das Gebiet ausschließlich jagdlich genutzt. Ein hauptamtlicher Berufsjäger, unterstützt von jungen Pirschführern, sorgt für einen geordneten Jagdbetrieb. Kaum  angekommen, ging es auf felsigen Pfaden in die entlegensten Revierteile. Da keine Forstwirtschaft betrieben wird, erreicht man die Revierteile nur sehr  mühsam über kaum erkennbare felsige Pfade. In solch einer unwegsamen Region wird die Erlegung eines Stück Wildes fast immer zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Jeder Tritt muss auf dem felsigen Untergrund gut überlegt sein, um nicht zu stürzen, dabei gilt es immer, die Umgebung zu beobachten. Die Gebirgsjagd ist wohl die urtümlichste aller Jagdarten, müssen doch wegen fehlender Wege große Strecken und Höhenunterschiede zu Fuß zurückgelegt werden. Zudem sind große Schussentfernungen die Regel und die Bergung des erlegten Wildes kann Stunden dauern. Der Wildreichtum ist trotz der Kargheit der Landschaft und einem Winter mit langanhaltendem Frost und hohen Schneelagen groß. Neben Rehwild und einem sehr guten Rotwildbestand ist Auer- und Birkwild ebenso Standwild wie das Gamswild.



 Die Gasthütte von innen...










 ...und von außen










 Der Jagdhof: Gasthütte und Jagdhütte des Jagdführers










 Das Gamsrevier
Der Eingang zur Hütte des Jagdführers
von links nach rechts: Kinderspielzeug, Rucksack, Schweißhund, Wachund, Windel (gebraucht), Jacke, Schießstöcke
Mit Pirschführer Michel auf dem Weg ins Gamsrevier










Kurze Jagdintervalle lassen das Rotwild tagaktiv  werden











Natürlich waren 2 Tage Aufenthalt viel zu kurz, um  einen Gesamteindruck vom Revier zu bekommen. Aber der zahlreiche  Anblick von Gams- und Rotwild ließ uns erkennen, dass es sich hier um ein jagdliches Refugium besonderer Qualität handelt.
Ermattet und tief beeindruckt traten wir die Heimreise an. Eine Jagdwoche in den österreichischen Alpen ist wohl für jeden Jäger etwas ganz besonderes und die Eindrücke, die man dabei gewinnt, vergisst man wohl nie mehr. Es wird für uns als Jäger das oberste Ziel bleiben, solche einmaligen Jagdreviere für nachkommende Generationen zu erhalten.
Der Jagdverein Lehrprinz e.V. bedankt sich beim Stift Schlägl für die Gastfreundschaft  und bei Bruder Johannes und Berufsjäger Hermann für die forst- und jagdkundigen Führungen. Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen.

waidmannsheil

Euer

Stefan
 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

> Kurze Jagdintervalle lassen das Rotwild tagaktiv werden

Dabei werdens wohl auch katalogisiert oder wozu das gelbe Lauschermarkerl?

WH

Johannes Nölke hat gesagt…

... bravo. Gut angesprochen! Dafür wurde die Marke ja auch extra nahe an der - zugegebenermaßen heuer nicht gerade wandschmückenden - Trophäe angebracht.

Ja, und einen Namen hat er auch bekommen - dieses schöne Tier heißt Gilbert ...

Ohrmarke, weil er vielleicht einst zur Genpoolauffrischung eines umfassenden Bestandes kam oder weil er als Handaufzucht im Gatter vertraut gemacht wurde?

Wäre natürlich nicht nötig, wenn sich das Rotwild wie auch andere Wildarten wg "Waldschutz", Jagd- und Freizeitdruck nicht bis an den Arsch seines Lebensraumes zurückziehen müsste.

Oder war es eine Warn-Kennzeichnung, damit die bösen Nachbarn den letzten überlebenden Rothirsch Gilbert (die Marke erkennt man auch noch in belaubter Waldschneise bei hochflüchtigem Hirsch) zur Rettung ihres vorletzten Festmeters Plantagenholzes oder zur Eroberung der achtunddreißigsten (oder welche Zahl ergab noch den Sinn des Lebens?) Lebenstrophäe nicht auch noch abknallen?

Oder ist das wildbiologisch sowieso alles wurscht und/oder grundsätzlich wider die Natur?

Ich hab die Antwort sicherheitshalber vergessen.

Tagaktiv sind sie wegen hervorragender Bewirtschaftung trotzdem und erfreuen so das Herz des wachen Waidmanns - genau so, wie die vielen anderen nicht fotografierten Tiere und Arten.

Geschenkt bekommt man bei der Gebirgsjagd mit oder ohne Ohrmarke garnichts - Strecke darf man sich dabei in wunderschöner und vom Menschen weitgehend verschonter Natur noch hart erarbeiten. Göttlich!

Waihei
Jo