3.8.07

Grundlagen der Lockjagd auf Tauben

Das Taubenkarusell des Autors im Einsatz.
Photo: Tobias Ferling


Obwohl die Ringeltaube das fast am meisten erlegte Wild ist, erscheinen über die Taubenjagd recht wenig Berichte. Auch ist das Fleisch der Ringeltaube, insbesondere die Taubenbrust der Jungtauben, ein äußerst schmackhaftestes Fleisch.

Für den Jungjäger hat diese Wildart etwas besonderes: Ohne Begrenzung kann man in einem Revier auf diese Wildart jagen, Altjäger haben an der Bejagung dieses "Auerhahn des kleinen Mannes" oft wenig Interesse und somit hat man freie Flinte.
Doch aufgepasst: Ein Sprichwort sagt:"Die Taube hat auf jeder Feder ein Auge".
Eine gute Tarnung und viel Erfahrungen beim Aufstellen der Lockeinrichtungen sind notwendig, um Strecke zu machen.

Von seinen Erfahrungen und erstaunlichen Erfolgen bei der Taubenjagd mittels Taubenkarusell, Locktauben und Floater berichtet der noch junge Jäger Tobias Ferling, den man wohl schon jetzt nach vielen hundert gestreckten Tauben als den deutschen "Taubenpapst" bezeichnen darf.

waidmannsheil

Euer

stefan



Die Lockjagd auf Ringeltauben
von Tobias Ferling


Jahresstrecken
Mit einer Jahresstrecke von knapp einer Millionen erlegten Tauben im vergangen Jagdjahr nimmt diese Wildart zahlenmäßig den zweiten Rang an erlegten Stücken hinter dem Rehwild in Deutschland ein. Bedenkt man jedoch, dass sich die Taubenbestände sehr ungleichmäßig über das gesamte Bundesgebiet verteilen, wird einem in Anbetracht solcher Zahlen schnell bewusst, dass regional eine Flugwildjagd vom feinsten möglich ist. Gemeint ist hiermit nicht, die eine oder andere Taube aus dem Schlafbaum zu schießen, es müssen neue Strategien her! Und die sind uns mit der Lockjagd reichlich anhand gegeben! Leider wird man als passionierter Taubenjäger nur allzu oft zum Schädlingsbekämpfer degradiert, oder von den Waidgenossen belächelt, denn es sind ja „nur“ Tauben, die man jagt. Dass es sich um ein anspruchsvolles und spannendes Waidwerk handelt, wissen die wenigsten. Die im Folgenden beschriebenen Kniffe und Tricks sollen die Lockjagd auf Ringeltauben dem ein oder anderen näher bringen und behilflich sein, dort wo es möglich ist, große Tagesstrecken zu erzielen.

Lockjagd im Sommer
Sofern die unteren Jagdbehörden mitspielen, hat man im Sommer die Möglichkeit an Schadflächen auf Tauben zu waidwerken. Dieses wird sich in erster Linie am Lagergetreide abspielen, nach der Ernte einzelner Schläge dann auf den Stoppeln.

Der Stand

Grundvoraussetzung für Erfolg ist ein guter Stand! Das heisst: ich muss vorher wissen, wie die Flugruten verlaufen. Ohne eine exakte Beobachtung der Einflugschneisen geht nichts, oder nicht viel. Man wird immer wieder feststellen, dass die Tauben die selben Bahnen verwenden, um in die Felder zu gelangen. Das sind meist morgens die direkten Verbindungen zu den Schlafquartieren, mittags und nachmittags auch gerne Luftwege zu Rastbäumen, von denen aus die Tauben zu Fraß gehen.
Es ist natürlich sinnvoll, genau in so einer Einflugschneise sein Lockbild zu präsentieren, also muss der Stand in Flintenentfernung liegen. Natürliche Deckung sollte möglichst als Hintergrund ausgenutzt werden, nach vorne hinaus braucht man zwingend ein Tarnnetz. Wichtig hierbei ist, durch die Deckung hindurch zu beobachten, nicht drüber hinweg! Das bedarf einiger Zeit der Gewöhnung, sonst wird man in der Regel aber zu früh von den Grauen entdeckt werden, ohne einen sicheren Schuss los zu werden. Habe ich also eine Schadstelle entdeckt die von Tauben angenommen wird, muss ich erst beobachten, von wo aus diese angeflogen wird. Unter Ausnutzung der örtlichen Deckung platziere ich hier meinen Stand, und kann nun das Lockbild aufbauen.

Das Lockbild
Vorweg: ein Lockbild, das immer zieht, gibt es nicht. Wenn die Tauben nicht rein kommen, wie man es wünscht, muss man verändern! Oft sind es minimalste Variationen, die dann den gewünschten Erfolg bringen. Verwendung finden ca. 30 Halbschalen, ein Karussell, und, wenn möglich, mindestens 2 Floater (auf Federstahlstangen montierte Tauben). Grundsätzlich richte ich die Halbschalen in U- oder V-Form gegen den Wind aus. Die Tauben werden bemüht sein im Zentrum zu landen, werde also in der Spitze beschossen. Genau hier drapiere ich den Magneten( das Karussell), um einfallende Tauben zu simulieren. Wenn das Wetter nicht zu hell ist, bietet dieser oft eine super Lockwirkung auf entfernte Tauben, die Bewegung ist wohl der Schlüsselreiz. Man sollte möglichst auf echte Tauben als Karusselltauben zurückgreifen und diese so natürlich wie möglich anbieten: eine sieht nach innen, die andere hat den Kopf nach außen gedreht! Die Schwingen müssen so gestellt sein, dass der weiße Streifen 100%ig sichtig ist! Erkenne ich, dass heranfliegende Tauben in einiger Entfernung zum Magneten abknicken und die Flucht ergreifen, hilft alles nichts: man muss ihn ausstellen. Oftmals wirken dann aber noch die Tauben auf den Auslegern als Floater und ich lasse ihn einfach bewegungslos stehen. Drehen die Tauben immer noch ab, muss ich ihn ganz aus dem Lockbild herausnehmen, was öfter der Fall ist, als man glauben mag. Hier muss man dann mit der Wirkung von Floatern vorlieb nehmen. Dass sind auf Federstahlstangen montierte Tauben, die einfallende Geringelte simulieren. Auch hier ist beim Aufbau pingeligst auf eine natürliche Körperhaltung zu achten! Ein herunterhängender Kopf kann ausschlaggebend über Erfolg oder Misserfolg sein. Einen Floater positioniere ich nun in der Spitze meines Lockbildes, der andere kommt etwas weiter raus auf den der Flugschneise zugewandten Schenkel. Auch hier gilt wieder: kommen die Tauben nicht wie erwartet ins Lockbild, muss umgestellt werden! Sofern die Witterung es erlaubt, lasse ich die geschossenen Tauben im Lockbild liegen, um die Wirkung zu verstärken. Von Zeit zu Zeit kontrolliere ich, dass keine auf dem Rücken liegt, das hat nämlich unerwartet abschreckende Wirkung. Jage ich am Lagerkorn, versteht es sich von selber, dass ich sofort alle geschossenen Tauben in den Stand hole, damit mir nicht eventuell geflügelte Tauben weglaufen. Die Halbschalen stelle ich in U-, oder V-Form gegen den Wind auf, manchmal auch als „L“, mit dem langen Schenkel gegen die Flugschneise, besonders dann, wenn ich Tauben von weit entfernt über das Feld locken muss. Je nach Höhe der Vegetation benutze ich die Plastikstäbchen um die Tauben auf Höhe zu bringen, Rapsstoppeln eignen sich dafür aber auch hervorragend. Hier gilt ebenso: erziele ich nicht erhoffte Wirkung, muss umgebaut werden. Auch ist es manchmal notwendig, die Anzahl an Halbschalen zu verändern, oder sie je nach Reflektionen der Sonne ganz aus dem Lockbild zu nehmen.

ad personam Tobias Ferling:

Ich bin derzeit 29 Jahre alt und Student der Agrarwissenschaften und lebe in Recklighausen. Ich habe mit 16 Jahren die Jagdscheinprüfung abgelegt und jage seitdem im väterlichen Revier in Thüringen, mit Vorliebe auf Sauen. Wildbretgewinn und Verarbeitung spielen für mich eine größere Rolle als Trophäen, obwohl ich zugebe, daß ich mich auch darüber sehr freuen kann.
Vor der Haustür habe ich freie Flinte in zwei reinen Niederwildrevieren und bin der Regel mindestens 2 mal die Woche draußen. Die Taubenjagd ist zu meiner neuen Passion geworden und hier aufgrund hoher Bestände und großer Schäden verstärkt nötig.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Diese Jagd auf Ringeltauben zeigt doch welches Geistes Kind dieser Thomas Ferling ist

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für den Bericht. Jäger die beoachten, Verhaltensweisen kennen und daraus intelligente Jagdmethoden ableiten waren schon immer näher an der Natur (als selbsternannte Ökologen). Wmh Tom