4.7.08

Als Jagdgast in einem vorbildlichen Niederwildrevier

Die meisten Leser ahnen es: Wenn ich einige Tage nichts ins Blog gestellt habe, dann bin ich wieder in Sachen Jagd unterwegs.
Wie schon seit über 30 Jahren verbringe ich einige geruhsame (Jagd)tage in meinem geliebten badischen Odenwald. Das Bauland, wie man das kleine Fleckchen Erde nennt, hat seinen ganz besonderen Reiz. Wenn man abends auf dem Hochsitz den Blick über die seichten Täler mit Wiesen und Äckern schweifen läßt, hat man den Eindruck , die Zeit ist hier stehen geblieben.
Außer den Windrädern am Horizont und den überdimensionalen Erntemaschienen ist alles so wie vor 30 Jahren, als ich das erste mal meine Ferien hier verbrachte. Weit ab der städtischen Hektik haben sich die freundlichen Menschen mit ihrer bodenständigen Art ein Refugium erhalten.
Doch auch jagdlich scheint hier die Welt noch in Ordnung. Nach einer freundlichen Begrüßung durch den Jagdpächter werde ich über die neuesten Ereignisse informiert. Bei der Fahrt durchs Revier sehe ich wieder einige neu errichtete Kanzeln und Leitern. Beim Ansitz stellt man fest, dass sie liebevoll errichtet wurden und kein Ast versperrt die Sicht. Das 400 ha große Revier verfügt über 30 Kanzeln und Leitern, die sich in einem tadellosen Zustand befinden und die die abendliche Ansitzwahl zur Qual werden lassen. Auf fast jedem Ansitz hat man Anblick. Von den Hochsitzen hat man einen weiten Blick in die Wiesentäler, sodass man auch Wild in einigen hundert Metern Entfernung beobachten kann. Das Revier hat einen guten, aber nicht überhöhten Wildbestand.
Weht der Wind beim Ansitz vom Ort herüber, kann man es riechen: Der Grünkern wird geerntet, ein für das Bauland typisches Getreide, wird in den Grünkerndarren gedörrt. Der Geruch der rauchenden Grünkerndarren ist für mich mit der Bockjagd im Bauland untrennbar verbunden.

Da der Jagdpächter im Urlaub ist, steht mir sein junger passionierter Jagdaufseher Heiko zur Seite. Stolz berichtet er, welche Arbeiten er in den letzten Monaten verrichtete wurden und dass man mittlerweile über 7 Kunstbaue, die zur Fuchsbejagung angelegt wurden, verfügt. In einer großen Baggeraktion wurden sie an einem Tag angelegt.
Doch auch hier hat man Sorgen. Eine große Biogasanlage direkt in der Nähe hat große Maisschläge entstehen lassen. Zusätzlich sind große Anbauflächen von Raps entstanden, die den den Sauen, die es vor 10 Jahren hier noch nicht gab, beste Deckung bieten. Fast jeden Abend hört man sie oder sieht sie, aber sie zu bejagen kommt der Quadratur des Kreises gleich, zumal sie nach dem Abernten der Felder im Herbst verschwinden.

Es ist immer wieder eine Freude, in einem Revier jagen zu dürfen, in dem die Welt noch in Ordnung ist. Es gibt sie noch, passionierte engagierte Jagdpächter, die mit Herzblut ein Revier pflegen und die weder Kosten noch Mühen scheuen, um ein vorbildliches Revier zu führen.


waidmannsheil

Euer

stefan

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Aha. Ist die Welt noch in Ordnung, weil dort Raps und Biomais angebaut werden? Und auf 400 ha 30 Ansitze - man könnte ja auch was verpassen. Das Revier ist sicherlich sehr "gepflegt". Und dann die "wenigen" Betonröhren. Mein Naturverständnis ist ein anderes und das bezieht sich jetzt nicht unbedingt auf die landwirtschaftlichen Begegebenheiten.

MfG

Andreas Krolow hat gesagt…

Leider verstehe ich den Kommentar von anoym nicht ganz! Würde gerne mehr über das Naturverständnis von anonym erfahren!?