17.6.08

Wenn Jagdhundeführer das Internet nicht benutzen

Musste fünf Monate im Tierheim warten, weil sein Führer das Internet nicht nutzt.
Einer der verloren gegangenen Jagdterrier










Photo: Tierheim Heilbronn


Seit einigen Wochen kursieren im Internet E-Mails, in denen schwere Vorwürfe gegen das Tierheim Heilbronn erhoben werden.
Dem Tierheim wird rechtswidriges Handeln bei der Vermittlung und tierärztlichen Behandlung von 2 verlorengegangener Jagdterrier unterstellt.

Das JagdBlog hat den Fall recherchiert und kommt zu ganz anderen Ergebnissen:

Am 1. Dezember 2007 gingen anlässlich einer Treibjagd im nordbadischen Osterburken zwei Jagdterrier verloren. Die Hundeführer meldeten den Verlust bei der Polizei und beim örtlichen Tierheim. Beide Jagdterrier, das stellte sich nun nach einem halben Jahr heraus, wurden wenige Tage nach dem Verschwinden im Tierheim Heilbronn abgegeben.
Doch erst im Mai, ein halbes Jahr nach dem Verschwinden, erfuhren die Hundeführer von der Aufnahme der beiden Hunde im Tierheim Heilbronn.

Das JagdBlog bat das Tierheim Heilbronn um Stellungnahme und erhielt eine Pressemitteilung des Tierheims, die bereits an das Jagdmagazin Pirsch gesandt wurde.
Hierin erklärt die Leiterin des Tierheims sehr genau die Schritte, die sie zur Ermittlung des Halters unternommen hat. Die Hunde wurden ordentlich tierärztlich versorgt und als Fundtiere in der Presse und im Internet mit Photo publiziert.
Doch gemeldet hatte sich keiner der Jäger.
Von einer Nichtherausgabe an Jäger kann dadurch nachweislich nicht gesprochen werden. Die Behauptung, einer der Hunde sollte eingeschläfert werden, weist das Tierheim entschieden zurück.

Eine Stellungnahme zu dem Fall gegenüber dem JagdBlog lehnen beide Hundeführer auf telefonische Anfrage ab. Das JagdBlog konnte aber in Erfahrung bringen, dass beide Hundeführer das Internet nicht nutzen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dem Tierheim Heilbronn kein Versagen vorzuwerfen ist.
Alleine die Unkenntnis der Hundeführer, das Internet zur Information zu nutzen, um die verlorengegangenen Hunde zu finden, machten das schnelle Zusammenführen von Führern und Hunden unmöglich.
Das Abtelefonieren einiger in der Nähe des Reviers befindlicher Tierheime reicht hierzu heute nicht mehr aus. In der Vermittlung hat das Internet eine zentrale Aufgabe und bei der Nutzung zum Auffinden verloren gegangener Hunde ist das Internet nicht mehr wegzudenken.
Hätten die Hundeführer das Internet zur Suche ihrer verloren gegangenen Hunde genutzt, hätten sie ihre Jagdterrier schnell nach nur einigen Tagen gefunden und ihnen wäre der monatelange Aufenthalt im Tierheim erspart geblieben.

Für die Internetverweigerer gilt der Spruch von Gorbatschow an die Ewiggestrigen der DDR:

"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben"

waidmannsheil

Euer

stefan


Die Stellungnahme des Tierheims Heilbronn kann man hier nachlesen

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Eine Frage bleibt offen:

Haben die Hundeführer auch beim Tierheim Heilbronn nachgefragt ob ihre Hunde dort abgegeben wurden oder nicht?

Natürlich muß man nicht im Internet rumsuchen wenn man das betreffende Tierheim persönlich angerufen hat, oder?

Anonym hat gesagt…

Ach Stefan! Diesmal gehe ich mit Deiner Meinung absoltut nicht konform. Das ist selten, muss aber auch mal gesagt werden, wenn´s so ist.

Ich kenne genügend ältere Jäger, die das Medium Internet nicht nutzen. Weil sie entweder rein technisch nicht damit klarkommen oder aber rein menschlich nicht damit umgehen wollen. Deshalb sind diese Jäger keine schlechteren Menschen oder Hundeführer.

Ich kann mich an Zeiten erinnern, da redeten die Jäger öfter miteinander. Da wurde die Reihe um gefragt, wem ein Hund gehören könne, wenn einem dieser zugelaufen war. Es hat zwar manchmal etwas gedauert, aber es funktionierte meißt. Nur die heutige Zeit ist halt die Zeit, wo keiner mehr mit dem anderen redet, jeder von jedem erwartet, dass er sich selbst hilft. Schade eigentlich, nicht war?

Kaspar Hauser hat gesagt…

Lieber Anonym,

natürlich muss niemand das Internet nutzen. Oder das Telefon, Fax, die Post oder sonstige Kommunikationsmittel.

Aber dann darf man sich auch nicht wundern, wenn man "dumm stirbt".
Oder den Hund nicht wieder bekommt.

Wer einen Hund verliert - und diesen schätzt - der setzt alles (!) daran, damit er den Hund zurück bekommt.

Das ist Stefans Kern-Aussage.

Noch einige Fragen zur Diskussion:
Wer ist wohl in der Pflicht, der Besitzer, der seinen Hund verliert?
Oder das Tierheim, das den Hund aufnimmt und versorgt?

Anonym hat gesagt…

... Das Tierheim hat zumindest bevor es höhere Kosten verursacht (Kastration etc.) alle Mittel und Wege auszuschöpfen um diese möglichst gering zu halten (Schadensminderungsprinzip). Da gehört es schon auch dazu, bei gechipten/tätowierten Hunde den Halter zu ermitteln. Manchmal könnte es einem so vorkommen, als verurschten manche Tierheime bei Tieren, wo die Aussicht besteht, irgendwann einmal den Halter zu finden, höhere Kosten, denn die zahlt ja dann der Halter.
So sehe ich das.

Anonym hat gesagt…

wenn der Verlust der Hunde doch in einem Tierheim sowie bei der Polizei gemeldet war ... warum verstaendigen sich die Tierheime nicht untereinander oder melden der Polizei das die Hunde gefunden wurden? Warum gibt es keine Kommunikation der Tierheime untereinander in einer Region? Da sollte man einmal nachfragen. So viele wird es doch davon nicht geben, oder? Ausserdem haette es nur eines Anrufs bei der Polizei bedurft da dort der Verlust angezeigt war.

keilershrek hat gesagt…

Hallo Stefan, auch für mich stellt sich die Frage, ob man für den zurückerhalt seines Hundes unbedingt das Internet braucht. Soweit ich weiß, waren die Hunde allerdings tätowiert. Ob sie zusätzlich noch einen Chip trugen, weiß ich nicht.

Eine Angestellte des Tierheims hat meiner Infos nach erst nach Monaten beim Zuchtverband mit Hilfe der Tätonummer den Besitzer ermittelt. Warum so spät? So etwas kann man doch wohl auch innerhlb eines halben Tages erledigen, oder?

Grüße Rainer

Andreas Krolow hat gesagt…

Egal wie, würde ich meinen Hund vermissen, ich würde alles in Bewegung setzten, um ihn wieder zu bekommen! Auch als Jäger, der den modernen Komunikationsmitteln nichts abegewinnen kann, besteht doch sicherlich die Möglichkeit, über eine weitere Person solche Mittel zu nutzen?
Waidmannsheil Andreas

Anonym hat gesagt…

Das Internet-Argument ist ja schön und gut aber insgesamt doch ein wenig dürftig angesichts der Tatsache das mit Hilfe von Tätowier-Nummer und ein-zwei Telefonaten der Besitzer kontaktiert hätte werden können.

Anonym hat gesagt…

Ich habe diesen Fall persönlich mitbekommen, habe einen der Hunde (den Rüden) im Tierheim angesehen.
Im Gespräch mit der Tierheimleitung wurde schnell klar das sich diese Person gar nicht vorstellen konnte das Jäger ihre Hunde auch vermissen, es war sofort klar das die Hunde ausgesetzt worden waren. Auch das an Jäger prinzipiell nicht vermittelt wird, wurde im Gespräch erwähnt. Da mein Lebensgefährte Jäger ist, haben wir uns dann nicht geautet sind aber gegangen.
Uns wurde allerdings auch gesagt das man nachgeforscht hätte aber die Hunde nicht zuordnungsbar wären. Wir selbst haben auch schon mal vor 2 Jahren auf der Jagd einen Hund verloren. Und wir haben alles getan um den Hund zu finden Flyer verteilt, Gesucht Telefoniert usw. Wenn man am Telefon aber die Aussage bekommt das so ein Hund nicht gefunden wurde , ja was soll man denn da machen? Wir haben erst vor kurzem von einem Bekannten (Jäger) wieder erfahren das er große Probleme hatte seinen Hund aus dem Tierheim zu bekommen. Nur weil er von dem Terrierfall wusste und dementsprechend hartnäckig war wurde nach längerem zögern zugegeben das doch ein ähnlicher Hund abgegeben wurde. Dieser ähnliche Hund war dann seiner!! In dem Fall haben sie nen Wachtel für nen Irish Setter gehalten... Ich muss schon sagen das Tierheim Heilbronn hat schon extremes Fachpersonal ! ! !
Ich möchte mir gar nicht vorstellen das es mit unserer Cessy vielleicht auch so gewesen ist. Auch wir haben damals im Tierheim angerufen (wohlgemerkt in fast allen Tierheim von BW), nen Flyer vorbeigebracht und gedacht das diese Menschen im Interesse der Tiere handeln und versuchen sie in Ihr altes, gewohntes und geliebtes Zuhause zu bringen.
Ich möchte aber noch anmerken das ich die nicht glaube das alle Tierheime so schlecht organisiert sind und so geprägt sind von Vorurteilen gegen die Jagd. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt....