6.5.17

Die Causa „Dieter Nagl“, der Jagdgegner Dr. Dr. Martin Balluch und die österreichischen Jagdverbände

Die österreichische Jagdpolitik steht vor einer Zeitenwende 

In unserem für seine Beschaulichkeit bekanntes Nachbarland Österreich vollzieht sich in der Jagdpolitik, von der deutschen Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt, ein erstaunlicher Wandel.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Jagd in Österreich und Deutschland

Zunächst gilt es anzumerken, dass durch die historischen, nicht immer ruhmvollen Gemeinsamkeiten, Österreich und Deutschland weitestgehend ein identisches Jagdgesetz haben. Auch ist die föderale Zuständigkeit der Jagd in beiden Ländern gleich.
Doch in einem wesentlichen Punkt gibt es einen erheblichen Unterschied: 
Die Jagd ist in Österreich in einem viel größeren Rahmen Bestandteil der Gesellschaft. Und während sich in Deutschland immer mehr Prominente aus Politik und Gesellschaft aus der Jagd zurückziehen, ist die Jagd in Österreich immer noch für die gehobenen Kreise ein wichtiger Ort, an dem man seine Netzwerke pflegen kann.

Auch hat die Jagd in Österreich im Gastgewerbe einen festen Platz. Nicht nur Berufs- und Aufsichtsjäger, sondern auch Beherbergungsbetriebe leben gut von der kommerziellen Jagdnutzung in Österreich, die es in der Form in Deutschland nicht gibt.

Da bleibt es nicht aus, dass diese wirtschaftliche Nutzung der Jagd durch Jagdveranstaltungen Blüten treibt, wie sie dem Ansehen der Jagd eher nicht dienlich sind. Einige Grundbesitzer in verschiedenen Bundesländern in Österreich betreiben die Gatterjagd auf Hochwild und die Niederwildjagd auf Zuchtfasane, um so die Einnahmen ihrer Wälder und Güter zu erhöhen. Dies wäre weiter nicht schlimm, hätten sich nicht die Tierschützer, allen voran der promovierte Naturwissenschaftler Dr. Dr. Martin Balluch auf diese zweifelhafte Form der Jagd eingeschossen. Sie fordern medienwirksam das Ende dieser Jagdformen durch gesetzliche Verbote, was bereits zu Gesetzesänderungen in einzelnen Bundesländern geführt hat.

Die Causa „Dieter Nagl“

Interessant an dieser seit einigen Jahren erbittert geführten  Auseinandersetzung zwischen Tierschützern einerseits und Jägern und Jagdverbänden anderseits ist das sehr unterschiedliche Verhalten der österreichischen Jagdverbände.

Als erstes ergriff der niederösterreichische Jagdverband die Initiative und schickte ihren Referenten für Öffentlichkeitsarbeit, einen gewissen Herrn Dieter Nagl, in den Kampf.

Herr Nagl ist nicht nur ein Waffennarr, sondern auch ein passionierter Großwildjäger, der in sozialen Medien damit prahlt, in Afrika Affen gleich dutzendweise aus den Bäumen zu schießen. Er gibt an, im Hauptberuf Fotograf zu sein.
Warum sich der niederösterreichische Jagdverband entschieden hat, ausgerechnet die hochsensible Materie der Öffentlichkeitsarbeit in die Hände dieses empathielosen Mannes zu legen, wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Scheinbar wollte man sich die Finger nicht schmutzig machen und man brauchte gegen die immer aggressiver agierenden Jagdgegner unter der Führung von Dr. Dr. Balluch einen Mann fürs Grobe, so einen echten „Hau drauf“. Anders lässt sich diese personelle Fehlbesetzung einfach nicht erklären. Dass solche Schüsse, historisch bewiesen, fast immer nach hinten los gehen, wollte der Verband in seiner Perspektivenlosigkeit wohl nicht sehen.
Auch die bereits in den sozialen Medien erworbenen Kenntnisse des Herrn Nagl werden den Ausschlag gegeben haben. Er ist Administrator einer jagdlichen Facebookgruppe mit dem Namen „Jagd- Gruppe der waidgerechten Jäger“ mit momentan über 15.000 Mitgliedern.
Hier führt er ein strenges Regiment. Es gilt der Grundsatz: „Wer nicht mein Freund ist, der ist mein Feind“ und wer sich über seinen rüden Umgangston beschwert, ob gegen Jagdgegner oder Jäger, der wird ohne Vorwarnung aus der Gruppe entfernt.
Mit dem gemeinsamen Feindbild der Jäger, den Jagdgegnern, hat er die wenig homogene Gruppe der Jäger geschickt geeint. Seine Beträge dort zum Thema Jagdgegner sind an Niveaulosigkeit und Primitivität kaum zu überbieten. Retorisch wenig begabte Jäger scheinen daran großen Gefallen zu finden.



Herr Dr. Dr. Martin Balluch

Was weder der niederösterreichische Jagdverband noch Herr Nagl erkannten, war die Qualität ihres Feindes. Der Vorsitzende der Tierrechtsorganisation Verein gegen Tierfabriken (VgT) Herr Dr. Dr. Martin Balluch ist ein anderes Kaliber. Der zweifach promovierte Wissenschaftler (Physik, Philosophie) hat schon einige Erfahrungen im Rebellentum gegen die Obrigkeit. Solche Leute sehen in einem empatielosen Pöbler wie Herr Dieter Nagl eher ein dankbares Opfer, das man medienwirksam vorführt und schlachtet, als einen echten Gegner.

Und so kam, was kommen musste:
Die beiden Herren Nagl und Dr. Dr. Balluch trafen sich wegen einer Schadensersatzklage, angestrengt durch Hern Dr. Dr. Balluch vor Gericht wieder. Zwar einigte man sich wenige Stunden vor dem Gerichtstermin auf einen Vergleich, aber für Herrn Dr. Dr. Martin Balluch war es ein Erfolg auf ganzer Linie. Durch die Übernahme aller Gerichts- und Anwaltskosten durch Herr Nagl und einer pauschal zugestandenen nicht unerheblichen Schadensumme kommt der Vergleich einem gewonnenen Prozess gleich.



Die Jagdverbände handeln nach dem „Drei-Affen-Prinzip“

Seit Monaten schon verfolgt das JagdBlog die Medien in der Causa „Dieter Nagl“. Auch füttern wir ständig die Suchmaschinen mit den Begriffen, die auf Artikel der Jägerschaften hinweisen könnten, in denen die Jagdverbände zum Thema „Gatterjagd“ und „Jagd auf Zuchtfasane“ Stellung nehmen. Doch die Jagdverbände hüllen sich in kollektives Schweigen. Man überlässt die Themen vollständig den Jagdgegnern und ihren Internetportalen. Auch zur Causa „Dieter Nagl“ spielt man „toter Mann“.
Scheinbar hat der niederösterreichische Jagdverband die „Drei Affen“ zum Grundprinzip der Berichterstattung über ihren Funktionär Dieter Nagl gewählt.

Wir nahmen das Schweigen der Verbände um Anlass, eine eigene Anfrage bei der Zentralstelle österreichischer Landesjagdverbände zu stellen. Auch hier wird der Kopf in den Sand gesteckt und man versucht die Causa „Dieter Nagl“ auszusitzen. Die Email wurde bis heute nicht beantwortet. Gute Pressearbeit sieht anders aus.

Hier unsere Emailanfrage:

Stefan Fügner jagdblog@googlemail.com

26. Apr. (vor 10 Tagen)
an jagdpresse; Bcc: Manuela
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Presseanfrage bezüglich des Prozesses des Herrn Dieter Nagl in seiner Funktion als Funktionär des niederösterreichischen Jagdverbandes und Herrn Dr. Martin Balluch in seiner Funktion als Vorsitzender des Vereins gegen Tierfabriken“ (VGT)

Sehr geehrter Herr Dr. Lebersorger,
sehr geehrte Damen und Herren,

seit Monaten kursieren in den sozialen Medien Informationen über den Prozess des Herr Dr. Marin Balluch gegen Herrn Dieter Nagl. In der Sache geht es um eine Beleidigungsklage des Herrn Dr. Balluch gegen Herrn Nagl als Funktionär des Landesjagdverbandes. Den sozialen Medien kann man entnehmen, dass sich die streitenden Parteien außergerichtlich geeinigt haben und Herr Nagl eine Entschädigungssumme an den Verein zahlt, dem Herr Dr. Balluch vorsteht und ein weitere Summe an Herrn Dr. Balluch selbst. Zudem übernimmt Herr Nagl sämtliche Anwalts- und Gerichtskosten beider streitenden Parteien.

Seitens der österreichischen Jagdverbände gibt es bis heute keine Stellungnahme zum Prozess. Weder über den Verlauf des Prozesses noch über dessen Ausgang finde sich seitens Ihres Verbandes Informationen im Internet.

Zum Prozess und dessen Ausgang habe ich als Betreiber des Jagdlogs „Jagdglog-das etwas andere Jagdtagebuch“ einige Fragen an Ihren Verband, da ich dem Prozess einen ausführlichen Artikel widmen möchte:

  1. Hat der niederösterreichische Landesjagdverband oder der Zentralverband Herrn Dieter Nagl bei der Prozessführung anwaltlich vertreten oder rechtlich beraten?
  2. Hat einer der Verbände Herrn Dieter Nagl wirtschaftlich bei der Prozessführung unterstützt?
  3. Ist Herr Dieter Nagl weiterhin Funktionär des niederösterreichischen Landesjagdverbands und wenn nicht seit wann nicht mehr?
  4. Ist Herr Dieter Nagl überhaupt noch Mitglied eines Jagdverbandes?
  5. Zieht der Prozessausgang ein verbandsinternes Disziplinarverfahren gegen Herrn Dieter Nagl nach sich?
  6. Werden Sie als Verband zum prozessualen Ausgang des Streits der beiden Herren Stellung nehmen?
  7. Wurde der von Herrn Dieter Nagl in den öffentlichen Medien eingetriebenen Spendenaufruf von Ihnen unterstützt und wurde die korrekte Verwendung dieser Spenden von Ihrem Verband kontrolliert?
  8. Fand dieser Spendenaufruf Ihre Billigung?
  9. Warum wurde dieser Spendenaufruf nicht von Ihnen medienwirksam unterstützt?
  10. Ist dieser Spendenaufruf aus Ihrer Sicht vereinsrechtlich und vor allem steuerrechtlich vertretbar?
  11. Erhalten die Unterstützer des Herrn Dieter Nagl für Ihre Spenden nun eine Quittung von Ihrem Verband, damit die Spende steuerlich geltend gemacht werden kann?


Wir würden uns freuen, wenn Sie mir diese Fragen beantworten würden, da bei meinem Artikel über diesen Fall die Position Ihres verbandes darstellen möchte. Zudem besteht in der Öffentlichkeit und hier insbesondere in den sozialen Medien erheblicher Informationsbedarf zur Causa Nagl.


Mit freundlichen Grüßen und einem Waidmannsheil aus Brandenburg



Stefan Fügner 


JagdBlog - das etwas andere Jagdtagebuch
www.jagdblog.blogspot.com



Die Salzburger Jägerschaft geht andere Wege

Doch es gibt unter den österreichischen Jagdverbänden scheinbar einige, die dem unprofessionellen Treiben nicht weiter tatenlos zusehen wollen.
Für viele eher überraschend, wählte letzte Woche die Salzburger Jägerschaft einen neuen Landesjägermeister. Es ist der für Jagdfunktionäre noch sehr junge Maximilian Meyr-Melnhof (47), ein Spross der salzburger Meyr-Melnhof Dynastie. Er ist auch der einzige prominente Jäger, der bereits in den letzten Monaten klar zur Jagd und zur Gatterjagd Stellung bezog und mit seinen Interviews nicht nur sich, sondern auch die Jägerschaft gegen die Angriffe der Jagdgegner vertrat.

Maximilian Meyr-Melnhof ist (Jagd)unternehmer durch und durch und für seine Familie und ihn steht bei der Jagd viel auf dem Spiel. Die Familie Meyr-Melnhof kann und will scheinbar der Tatenlosigkeit der Verbände in der Jagdpolitik nicht weiter zusehen und die Öffentlichkeitsarbeit der Jagd professionalisieren.
Die erste Amtshandlung nach der Wahl zum Landesjägermeister des Maximilian Meyr-Melnhof ist die öffentliche Ausschreibung eines Pressesprechers für die Salzburger Jägerschaft. Es kann davon ausgegangen werden, dass Maximilian Meyr-Melnhof ein ganz besonderes Augenmerk auf die Besetzung dieser Position legen wird.

Hier einige Zitate des neuen Landesjägermeisters Maxilmilian Meyr-Melnhof, die einen hoffnungsvoll stimmen:


Wir wollen eine Person anstellen, die sich darum kümmert“

Wir wollen uns erklären und zeigen, was wir tun und können, und uns nicht nur rechtfertigen“

Wir wollen die Waldpädagogik in Richtung Jagdpädagogik ummünzen“

Wir müssen wissen, wie wir uns besser verkaufen“



Die Wahl des jungen Maxmilian Meyr-Melnhof zum Landesjägermeister kann durchaus als Zeitenwende in der österreichischen Jagdpolitik gesehen werden.

Waidmannheil

Euer

Stefan





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