12.9.08

Jagdhundeausbildung ist Schwerstarbeit mit einem Vermarktungsproblem

Die wohl häufigste Frage, die man sich als Jagdhundeausbilder am Ende eines Tages stellt, ist wohl die: "Warum tust Du Dir das alles an?"
Zu der mühevollen Arbeit kommt aber noch ein ganz wesentlicher Aspekt hinzu, der einen oft an der Hundearbeit verweifeln läßt:
Das wenige Verständnis unserer Arbeitsweise in der Öffentlichkeit.

Kaum ein Mensch, der noch nie einen Jagdhund erfolgreich ausgebildet hat, kann verstehen, welche Mühen es macht, einen auf Hochleistung gezüchteten Jagdhund Gehorsam beizubringen oder auf eine Prüfung vorzubereiten. Monotones, oft tagelanges Wiederholen von Übungen zehren an den Nerven, wenn es einfach nicht klappen will. Wenn einen dann auch noch Zweifel plagen, wenn man Rückschäge in der Ausbildung hinnehmen muss und glaubt, versagt zu haben, liegen die Nerven blank.

Doch alle diese jedem Jagdhundeausbilder bekannten Probleme sind zu meistern. Wogegen wir als Jagdhundeausbilder einen aussichtslosen Kampf kämpfen, ist unser Bild in der Öffentlichkeit.
Immer noch herrscht die Meinung in der breiten Öffentlichkeit vor, Jagdhundeausbilder sind brutale , gefühlslose Rohlinge, die ihren Hunden mit Schmerzen und Zwang den nötigen Gehorsam beibringen. Dass wir oft ein engeres Verhältnis zu den Hunden haben, als zu unserem menschlichen Umfeld, wird nicht gesehen. Dass wir uns mit unseren Hunden monatelang durch eine Gehorsamsarbeit quälen, die notwendig ist, um Höchstleistung auf der Jagd und auf Prüfungen zu erzielen und mit der Ausbildung eines normalen Hundes nichts gemein hat, bleibt völlig unbeachtet.

Da haben es Menschen, die es versehen, mit dem Zeitgeist , anglizistisch "mainstream" Geschäfte zu machen, wesentlich leichter. Sie schreiben ein Hundebuch, das wirkungsvoll vermarktet werden muss und geben ihm den Titel "Hundeerziehung leicht gemacht". Ein Buch, das bereits mit einer Lüge beginnt, weiß doch jeder erfolgreiche Hundeausbilder, dass Hundeausbildung Schwerstarbeit ist und niemals leicht. Aber ein Produkt oder eine Dienstleistung, die dass das Wort "leicht" erhält, läßt sich in der heutigen Zeit besser vermarkten als eine Dienstleistung, die man mit dem Wort "Schwerstarbeit"verbindet.

Seit einiger Zeit macht ein Wort in den Hundeschulen die Runde: "Problemhunde". Nun will ich aus meiner Erfahrung nicht in Frage stellen, dass viele Hundebesitzer ein Problem mit ihrem Hund haben, aber warum ist deshalb dieser Hund denn gleich ein Problemhund? Erfolgreiche Hundeausbilder suchen im Versagensfall immer das Problem bei sich und kämen gar nicht auf die Idee, den ihnen anvertrauten Hund einen Problemhund zu nennen. Aber das Wort Problemhund passt nun mal besser in den Zeitgeist und wer will schon hören, dass er gar keinen Problemhund hat, sondern ein Problem mit seinem Hund.

Aber ich bleibe dabei: Jagdhundeausbildung ist Schwerstarbeit und jeder Versuch, sie leicht zu nehmen und zu machen wird scheitern. Und für mich gibt es nur Halter, die Probleme mit ihrem Hund haben, deshalb sind deren Hunde aber keine Problemhunde.

Vielleicht ändert sich irgendwann der Zeitgeist und Begriffe wie "schwer", "mühevoll", "anstrengend" , "Disziplin", "Gehorsam", "Führung" finden wieder Beachtung in der Gesellschaft, dann findet die Jagdhundeausbildung als Schwerstarbeit auch wieder den gesellschaftlichen Stellenwert, den sie verdient und hier halte ich es wie bei den Hunden: Man soll die Hoffnung nie aufgeben.

waidmannsheil

Euer

stefan


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Jagdhundeseminar für Nichtjäger und Erstlingsführer von Jagdhunden

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Warum bitte sollten Jagdhundeausbilder in der Öffentlichkeit keinen guten Stand haben?
Meine Erfahrungen sind da ganz anders, positiv!

C.Schroeder hat gesagt…

Es ist leider nur die schmale Minderheit 1. mit Hund
2. mit einem gewissen Verständnis für die Jagd,
die für Methoden wie "Zwangsapport" ein gewisses Maß an Verständnis haben.

Für Berlin kann ich leider nur aus eigener Erfahrung konstatieren:
Selbst Leute, die keine Angst vor Hunden haben, wollen diese am liebsten vor den Stadttoren wissen.
Trotz Wildschwein-, Fuchs-, Mader- und Waschbär-Problem in den Außenbezirken und grundsätzlichem Verständnis für die Jagd, bitte nicht schießen!
Jagdliche Ausbildung eines Hundes: Muss das sein!

Reaktion auf die ersten Jagderfahrungen unseres Hundes in Brandenburg:

Möwen haben in Berlin Schonzeit!
Gibt es in Berlin gar nicht!

Andreas Krolow hat gesagt…

Warum tut man sich das Alles an?
Ich denke, man bekommt durch seinen Hund eine Menge wieder! Ich habe mich vor kurzem für einen "Neuen" Weggefährten entschlossen (meine Familie und ich). Lange haben wir uns überlegt, haben abgewägt, können wir den Anssprüchen unseres neuen Familienmitglieds gerecht werden? Ja! wir haben uns wieder für einen GM entschieden, nicht für einen Welpen, sondern für einen Zweijährigen, ohne Papiere! Wir haben es bis heute nicht einmal breut! Die Ausbildung erscheint manchmal mühsam, aber "Fehler" bei der Erziehung betreffen eher uns als den Hund! Geduld ist ALLES und wird belohnt. Problemhunde-------- keinThema für uns - gibt es nicht! Eher müssen wir an uns arbeiten, werden aber belohnt, mit der Zuneigung und dem Vertrauen zu uns durch Arko unserem GM.

Anonym hat gesagt…

Kaum ein Mensch, der noch nie einen Jagdhund erfolgreich ausgebildet hat, kann verstehen, welche Mühen es macht, einen auf Hochleistung gezüchteten Jagdhund Gehorsam beizubringen oder auf eine Prüfung vorzubereiten.
Genau Stefan, diesen Satz solltest du Dir vor Augen halten!

Die Jagdhunde hat gesagt…

Wirklich ein sehr gelungener Artikel zu diesem heiklen Thema. Wir (meine Frau und ich), sind jetzt seit knapp 1 Jahr auf das Thema Jagd gekommen. In der Familie hat einer einen Onlineshop zu dem Thema ( http://www.hunters-point.de ) und deshalb haben wir uns nach und nach immer mehr damit beschäftigt, da wir halt auch einen Hund haben.

Im Frühjahr 2012 wollen wir unseren Jagdschein machen und anschließend auch das Thema "Jagdhund" weiter betrachten. Mal gucken ob unser "Jack" dann mit ins Revier kann.

Viele Grüße aus Dresden,

Michael