4.8.12

Die Nachhaltigkeit der Jagd fordert ein Bekenntnis zum ökologischen Jagdgesetz

Seitdem die Naturschutzverbände, allen voran der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) ein ökologisches Jagdgesetz fordern, scheint in der Welt der Jäger nichts mehr so zu sein, wie es war.
Die von den Jagdgesetzreformern geforderte ökologische Jagd stößt bei vielen Jägern auf kategorische Ablehnung. Viele Jäger sehen im neuen Jagdgesetz schon den Untergang der Jagd selbst.

Doch was fordern die Naturschutzverbände wirklich?

Zunächst einmal muss man sehen, dass sich in den letzten Jahrzehnten in der Gesellschaft im Bereich des ökologischen Denkens ein radikaler Wandel vollzogen hat.

Kein Unternehmen, keine Organisation und kein Staat kann sich in Zeiten des verstärkten Bewusstseins der Menschen für die Natur und unsere endlichen Ressourcen auf der Welt dem Umweltgedanken entziehen.

Hierzu einige Beispiele:
Standen beim Verkauf eines KFZ viele Jahre die technische Daten im Vordergrund, kann heute kein Autohersteller mehr darauf verzichten, die umweltschonenden Fakten seines Autos anzupreisen. Nicht nur der geringe Verbrauch des angepriesenen Fahrzeugs treten immer mehr in den Vordergrund, auch nach der Recyclingfähigkeit des Altautos wird immer häufiger gefragt.

Kühlgeräte sind ohne ein Umweltgütesiegel, das sich über niedrige Energieverbrauchswerte definiert, kaum noch zu verkaufen. Der Preis des Gerätes tritt in den Hintergrund.

Bauvorhaben scheiterten früher häufig an der Finanzierbarkeit, heute sind es Umweltauflagen, die dem Investor das Realisieren seines Bauvorhabens immer schwieriger macht.

Selbst Handelskonzerne müssen sich immer häufiger die Frage gefallen lassen, wie umweltfreundlich die Produkte ihrer Lieferanten hergestellt werden. Fehlt der Nachweis oder kann man ihnen einen gleichgültigen Umgang mit der Natur bei der Herstellung ihrer Produkte nachweisen, kommt es immer häufiger zur Streichung aus dem Sortiment .
Der Druck der Verbraucher auf Hersteller und Händler nimmt ständig zu und wird sich in den nächsten Jahren noch massiv verstärken.

Ein Wort macht bei diesen Betrachtungen der Umweltverträglichkeit immer häufiger die Runde: Der Begriff Nachhaltigkeit.

Entliehen ist der Begriff der Forstwissenschaft, wollte man dort einerseits Nutzen aus dem Wald ziehen, ohne aber die wertvolle Ressource Holz aufzuzehren. Viele Jahrzehnte war der Begriff in der Forstwirtschaft als Richtschnur gedacht, immer nur soviel Holz unserem Wald zu entnehmen, wie nachwächst. Dies führte zu einer ungebremsten und vor allem nicht in Frage gestellten Massenholzproduktion in Form von Monokulturen mit furchtbaren Folgen, die erst durch die Stürme "Wiebke" und "Lothar" offensichtlich wurden.
Die Forstwirtschaft musste als "Erfinder" der Nachhaltigkeit einsehen, dass man eben nicht nur einen (monocausal), sondern viele Faktoren erfüllen muss, um den Nachweis der Nachhaltigkeit zu erbringen.
Die Forstwirtschaft musste nach den waldvernichtenden Wirbelstürmen völlig umdenken. Sie ist eben nicht nur ein profitabler Lieferant des nachwachsenden Rohstoffs Holz, sondern der Wald ist auch Wasserspeicher und dient den Menschen zur Erholung. Auch muss er so bewirtschaftet werden, dass er die Biodiversität, also Vielfalt von Flora und Fauna, zulässt.

Der Begriff Nachhaltigkeit fordert seither das komplexe Betrachten unseres Handelns. Dies wiederum fordert ein ständiges Überdenken und Korrigieren unseres Tuns, wenn wir in die Natur eingreifen.

Doch was hat all dies mit der Jägerschaft und ihrem Bekenntnis zu einem ökologischen Jagdgesetz zu tun und was bedeutet der Begriff Nachhaltigkeit für die Zukunft der Jagd?

Die Begriffe "Hege" und "Waidgerechtigkeit" als Synonym für ökologisches Wirtschaften

In der Vergangenheit definierten die Jäger ihr Tun über die Begriffe "Hege" und "Waidgerechtigkeit". Sie hatten sich für ihre Arbeit, die Wildbestände zu regulieren und zu erhalten eine eigene Begrifflichkeit gewählt. Die Jagdrechtsreformer jedoch lehnen aus der Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte diese "rechtsunbestimmten Begriffe" ab, da sie zu häufig beliebig ausgelegt wurden und sich aus der Sicht von Ökologen nicht immer ausschließlich am Nachhaltigkeitsgedanken orientierten.

Die Hege und Waidgerechtigkeit führte in der Vergangenheit zu einer zu sehr an einer einseitig auf starke Trophäen und großen Strecken orientierte Jagdwirtschaft. Zudem definierten die Jäger selbst durch den Begriff "Waidgerechtigkeit", wie sie die Jagd ausüben und organisieren und entzogen sich mit diesem Begriff jeglicher Kontrolle durch die Umweltbehörden.

Wollen die Jäger eine zukunftsfähige Jagd, müssen sie sich von den Begriffen "Hege" und "Waidgerechtigkeit" verabschieden und sie durch den Begriff "Nachhaltigkeit" ersetzen. Erst wenn sich die Jäger und die Naturschutzverbände auf einen einheitlichen Begriff verständigen, können sie wieder in die Diskussion um eine Reform der Jagd einsteigen.
Viele Tätigkeiten der Jäger, die unter dem Aspekt der Hege noch Sinn machten, werden dann unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit in Frage gestellt.

Hierzu zwei Beispiele:

Viele Jäger verstehen die intensive oft ganzjährig durchgeführte Raubwildbejagung in Niederwildrevieren als Hegemaßnahme. Das Ziel dieser Hege sind hohe Niederwildstrecken im Winter, die diesen massiven Eingriffe in die Raubwildpopulationen notwendig machen. Doch die Jäger müssen sich auch fragen lassen, welchen wildbiologischen und ökonomischen Sinn diese Raubwildbejagung mit dem Ziel hoher Niederwildstrecken hat, wenn man mal vom Ego des Jagdherrn absieht, dass durch die begeisterten Jagdgäste gestärkt wird.

Gerne schimpfen eben diese Niederwildjäger über die Forstwirtschaft, die durch massive Reduzierung der Schalenwildbestände eine Naturverjüngung der Wälder ohne kostenaufwendige Zäunung vorantreibt. Auch hier wirft sich die Frage auf, warum die massive Raubwildbejagung mit dem Ziel hoher Niederwildstrecken gut, die massive Schalenwildbejagung mit dem Ziel eines sich natürlich verjüngenden Waldes hingegegen schlecht ist.

Auch hält die Bejagung des Schalenwildes unter dem Aspekt einer einseitig auf starke Trophäen ausgerichtet Bewirtschaftung einer Nachhaltigkeitsprüfung nicht stand. Dient dieses Ziel doch zu häufig dem Interesse einzelner Jäger, aber weniger dem Interesse der Allgemeinheit.
Wir Jäger haben das Recht, durch Erlegung von Wildtieren regulierend in Wildbestände einzugreifen. Das Ziel dieser Regulierung hat aber immer auch das Allgeinwohl im Auge zu haben. Wir müssen als Jäger deshalb die Frage zulassen, ob solche Eingriffe tatsächlich der Allgemeinheit oder nahezu ausschließlich Einzelinteressen einzelner Jäger dienen und vor allem, ob der Aufwand der Jagd den immateriellen und materiellen Ertrag rechtfertigt.

Zusammenfassung:

Hegeziele, die das einseitige Ziel haben, Ressourcen künstlich zu erhöhen, sind mit dem Grundsatz der Nachhaltigkeit, der nur die Entnahme natürlich nachwachsende Ressourcen kennt, unvereinbar. Mit diesem Grundsatz tritt die Aufgabe des Jägers, durch Biotopverbesserung die Ressouce "Jagd" zu erhöhen, in den Vordergrund.

Auch der beliebig auslegbare Begriff der Waidgerechtigkeit wird weiter entwickelt werden müssen und sich mehr an den Grundsätzen des Tierschutzes orientieren. Hier wird sich die Arbeit der Jäger darauf konzentrieren, den Ablauf der Jagd tierschutzgerecht zu organisieren.
Auch die Erfordernis, das erlegte Wild einer sinnvollen wirtschaftlichen Nutzung zuzuführen, um die Jagd zu rechtfertigen, wird zunehmen.
Dadurch wird die immer noch stiefmütterlich behandelte Nachsuchenarbeit nach dem Schuss zu einem zentralen Thema der Jagdausübung. Auch die Schießausbildung nach der Jägerprüfung, eine bisher eher nebensächlich behandelte Aufgabe, rückt in den Mittelpunkt der Jagd.
Die Bedeutung der zurzeit im Mittelpunkt stehende Trophäenjagd und das Ziel großer Strecken hingegen wird verschwinden.

Die Bedenken der etablierten Jägerschaft, dass mit der Reform des Jagdgesetzes der Jagd die Totenglocken läuten, sind absolut unberechtigt. Es besteht überhaupt kein Anlass, an der Zukunft der Jagd zu zweifeln. Wir Jäger werden auch weiterhin die Jagd ausüben können, allerdings ist die Zielsetzung eine andere. Wir werden Dienstleister der Grundbesitzer und der Allgemeinheit, die uns brauchen, damit wir für die Kulturlandschaft vertretbare Wildbestände erhalten. Die Arbeit der Jäger orientiert sich in Zukunft weniger auf das Reduzieren der Raubwildpopulation.
Die Bedeutung, die Jagd -auch für die Öffentlichkeit erkennbar und prüfbar- tierschutzgerecht durchzuführen, wird zunehmen.
Ebenso werden die Verwertung und Vermarktung des erlegten Wildes wichtige Hauptarbeitsgebiete zukünftiger Jäger sein.

Für die Jagd der Zukunft gilt:

Die Begriffe der Hege und Waidgerechtigkeit reichen zur Definition des Ziels einer nachhaltigen Jagd nicht mehr aus.
All unser Tun als Jäger muss ökologisch und ökonomisch sinnvoll und erklärbar sein, damit wir unser Tun gegenüber der Öffentlichkeit rechtfertigen können. Gleichzeitig müssen wir nachweisen, dass wir durch diese Jagdbewirtschaftung die Wildbestände erhalten, damit auch unsere Enkel und Urenkel die Jagd noch ausüben können. Erst dann erfüllen wir den Grundsatz der Nachhaltigkeit, den die Gesellschaft und die Jagdrechtsreformer fordern.


waidmannsheil


Euer


stefan







Kommentare:

Roland Kraus hat gesagt…

Lieber Stefan, ich unterschreibe deine Thesen so überhaupt nicht! Kein Jäger muss sich für sein Tun rechtfertigen und beweisen das es richtig ist. Was hat das wilde Rehwildkullern in der vergangenheit gebbracht?Wächst jetzt mehr Wald? Es muss auf die Bedürfnisse des Wildes eingegangen werden und dazu gehört auch Ruhe! Heutzutage ist dieses Ruhe nicht mehr gegeben durch Mountainbiker, Jogger, Walker, Paraglider usw. da muss man anfangen und nicht dem Wild die Schuld für die Misstände verantwortlich machen die der Mensch verbrochen hat!

kershaw hat gesagt…

"Wir werden Dienstleister der Grundbesitzer und der Allgemeinheit, die uns brauchen, damit wir für die Kulturlandschaft vertretbare Wildbestände erhalten."

Ein schöner Satz. Daß wir als "Dienstleister" dann teils horrende Summen für das "Privileg" diese Dienstleistung ausüben zu dürfen zahlen, finde ich dann aberwitzig.

Auch ich bin de Meinung, daß Wildbestände nicht wegen starker Trophäen "gehegt" werden sollen. Auch ich schieße im Feld nicht mehr jeden Fuchs, der des Weges kommt, sondern nur des Balges wegen im Winter. Ich schieße nicht auf Katzen und schon gar nicht auf Hunde, auch wenn sie erkennbar wildern.

Wir Jäger müssen und veränderten Bedingungen anpassen - keine Frage. Aber zum Handlanger ökologisch-ökonomisch orientierter Interessen der "Allgemeinheit" , die mir gleichzeitig mit Misstrauen begegnet, weil ich zu Hause Waffen aufbewahre, werde ich mich nicht machen lassen. Ich bin auch nicht Angestellter der Grundbesitzer, sondern habe mich bisher als Partner verstanden.

Dann gebe ich eher meinen Jagdschein zurück und genieße die Natur als Besucher.

doclipps hat gesagt…

Lieber Stefan,

mit Deinem Beitrag rennst Du teils offene Türen ein, teils vereinfachst Du in unzulässiger Weise, teils schiesst Du über das Ziel hinaus. Dein Beitrag erfordert eigentlich eine längere Kommentierung, aber von mir nur soviel:

1. Das Wort "ökologisch" im Zusammenhang mit der Jagd ist nicht zielführend, weil es durch den "ökologischen Jagdverband", der übrigens viel Falsches und viel Richtiges fordert, besetzt ist.
2. Du versimplifizierst die "Nachhaltigkeit". Schau mal in meinen Jagdrechtsblog www.jagd-natur-umwelt.de dazu. "Hege" und Weidgerechtigkeit" (das "ai" ist eine Erfindung des Dritten Reiches!) sind Begriffe, die der Nachhaltigkeit dienen. insbesondere die Hege.
3. Die "alte" Trophäenjagd mag es gelegentlich noch geben, aber bei allen vernünftigen Jägern gehört sie der Vergangenheit an.
4. Die sog. "Reformbestrebungen" sind höchst kritikwürdig, wie ich z.B. in meinem Beitrag für den "Jäger" belegt habe. Da musst Du als guter Jäger und Heger aufpassen, dass Du Dich nicht versehentlich mit den falschen Leuten in´s Bett legtst: "qui se cozche avec des cjiens se leve avec des puces".

Fazit: Vernünftige Veränderungen tun immer not, und die meisten Jäger stehen auch dazu, ebr eben mit Augenmass und einem klaren Konzept.

Weidmannsheil
Dr. Wolfgang Lipps

doclipps hat gesagt…

Korrektur für verrutschtes Französisch:
"Qui se couche avec des chiens se leve avec des puces" (wer mit Hunden pennt wacht mit Flöhen auf).
ok?
Gruss
Wolfgang

Anonym hat gesagt…

Hallo Stefan,

"Dienstleister" sind entweder angestellt, also Gehaltsempfänger, oder selbstständig schreiben eine Rechnung für Ihre Dienstleistung. Ich denke du bringst da was durcheinander, weil du offenbar für die Jagdausübung nichts zahlst. "ökologisch" ist an dieser geplanten Gesetzesänderung mal rein gar nichts - hier wird nur ein ach so "moderner" Begriff missbraucht.

Gruß
Argus

CE hat gesagt…

Hallo Stefan,
erst mal meinen Glückwunsch zur Diskussionsplattform mit niveauvollen Kommentaren.
Es ist richtig: Die Jagd wandelt sich dramatisch und auch wir Jäger müssen nach vorne schauen. Wer zu viel in den Rückspiegel blickt, übersieht den Gegenverkehr. Ich bin, obwohl ich schon 45 Jahre auf die jagd gehe und zu den "Alten" zähle, auch der Meinung, dass wir Jägern immer mehr zu Dienstleistern werden. Mit der Jagd verhält es sich wie in allen Bereichen unseres Lebens. Unser Land wurde kaputt regiert und kaputt reglementiert. Finanzsystem oder Gesundheitssystem sind Paradebeispiele. Das Jagdsystem reiht sich hier lückelos ein, wobei es hier keiner neuen Gesetze bedarf. Es erledigt sich von selbst.
Mein eigenes Revier ist durch Überjagung der Nachbarn nahezu wildlos geworden. Durch Freizeitdruck, Klimaveränderung, unübersehbare Maisflächen, die bis an die Randfichten heranreichen und beginnender Schwarzwildinfiltration ist aus einer ehemals "gesunden Bauernjagd" eine mehr oder weniger "landwirtschaftliche Verdrußfläche" mit unbezifferbarer Wildschadensproblematik geworden und eine Weiterpacht kommt nicht mehr in Frage.
Weil das bei vielen Revieren der Fall ist, werden auch die Jagdgenossenschaften umdenken müssen.
Jagd und Jäger wird es immer geben. Denken wir doch rechtzeitig um und lassen wir uns künftig von den Jagdgenossenschaften zur Jagd und zum Jagdessen einladen. Dafür helfen wir gerne mit, Wildschäden zu reduzieren.
Mit Waidmannsheil
Claus Emig

H.K. hat gesagt…

Hallo, Stefan Fügner,
habe deine Mail zum Thema Öko-Jagdgesetz gelesen. Ich möchte dir zu bedenken geben, dass deine Anregungen Hege- Niederwild zum Beispiel folgende Stilblüten hervor bringt:
ein Freund von mir ist in der 5. Generation Pächter eines Niederwildreviers von 2000 ha (zus. mit Onkel) heute mit Schwarzwild in Unterfranken- Spessart, wo früher ca. 400 Stück Niederwild erlegt wurden. Heute wirt dort kein Stück mehr erlegt - auser Enten am Main. Aber dank seines Berufsjägers ca. 300 Rabenkrähen, Elstern, ca 100 Füchse. Die Kirschenernte eines Obstbauern waren bis vor 2 Jahren komplett Opfer der schwarzen Vögel - erst nach dem starken Eingriff des Berufsjägers hält sich der Schaden am Obst seit 2 Jahren in Grenzen. So könnte ich dir viele Bespiele nennen, die deinen Thesen entgegen stehen.
z.B wir werden reine Schädlingsbekämpfer,am besten viel Jagdpacht,u.Wildschaden bezahlend . Zu meiner Person: ich Wolfgang Karl, Jahrgang 1952 habe viele Jahre als Berufsjäger gearbeitet, bin heute nur noch als Nachsucheführer mit HS im Einsatz
denn dies ist nach meinen Vorstellungen das einzige wo ich unserem Wild noch etwas gutes zurück geben kann.
MFG
W.Karl

Orland Mayer hat gesagt…

Hallo Herr Fügner!



Ich verfolge mit Interesse die Diskussion um das neue Jagdrecht in NRW und auch in BW und sie haben in vielen Punkten Recht, das gebe ich Ihnen zu. Schießausbildung nach der Jägerprüfung, Nachsuchenarbeit – alles top (bin regelmäßig auf dem Schießstand und führe zwei Jagdhunde)



Ich sehe mich eigentlich jetzt schon als Dienstleister der Grundbesitzer und der Allgemeinheit.



Was mich aber saumäßig ärgert, sind die Wildschadensbestimmungen, auch so eine „Heilige Kuh“ aus Kaisers und Adolfs Zeiten. Hier trauen sich auch die ÖKs nicht ran. Wildschaden zu zahlen für Wild das gerade Schonzeit hat und Bäume schält. Pervers



Wenn schon Dienstleister der Grundbesitzer und der Allgemeinheit, dann bitte auch hier ÄNDERUNGEN. Für jeden Furz werden Subventionen an die Landwirte bezahlt. (z.B. MEK Gelder usw. ) Im Internet konnte man sehen wie viel jeder erhält. Saumäßig!!

Hier beim Wildschaden wäre die Allgemeinheit schon lange gefordert. Jetzt so wie so nachdem Sie ja alle Register ziehen – Nachhaltigkeit, ALLGEMEINHEIT usw. Sie kennen ja den Spruch: Wild gehört niemand – bis es Schaden macht, dann gehört es plötzlich dem Jäger. So wird es wohl auch künftig sein. Wildschaden im Wald habe ich im reinen Waldrevier im Griff. Wiesen habe ich nur zwei. Bricht der Keiler während der Schonzeit dort, wird Wildschaden fällig. Bei einer vernünftigen Regelung müssen z.B. auch die Landwirte zur Vermeidung gesetzlich mit eingebunden werden.



Ich verstänkere die Wiese indem ich Pfähle mit verstänkerten Lappen einschlage. Bäuerchen mäht – zieht die Pfosten raus und wirft sie irgendwo hin. Ich muss fragen und habe nachher von 15 Pfählen noch 6 ganz tolle Sache.

Ich bin der Meinung, dass die ÖKS es sich mit der Landwirtschaft nicht verderben wollen – deshalb Finger weg von der „Heiligen Kuh“ Wildschaden!

Mit dem Forst wollen Sie es sich sowieso nicht verderben. Wenn man sieht, wie mancherorts um ein verbissenes Weißtännchen ein Geschiss gemacht wird, wo ringsherum Weißtannen hochgekommen sind! Dann werden mit den Maschinen Gassen gefahren in denen letztlich hunderte Weißtannen zusammengefahren werden (Manngröße – Weihnachtsbäume) Und da machen wir vorher dann auch noch Einzelschutz!!

Die Tierschützer und Naturschützer lassen sich dort auch nicht sehen, wenn die Bauten der streng geschützten Roten Waldameise zusammengefahren werden und zwar so, dass das Volk und der Bau restlos zerstört ist. Wenn man die Schäden sieht – Truppenübungsplatz. Mit ÖKO hat das nichts mehr zu tun. Usw. usw.



Ich grüße Sie trotzdem mit einem Weidmannsheil

(Orland Mayer)

Anonym hat gesagt…

Guten Abend Stefan,

ich habe deinen Text mit Interesse gelesen und möchte hiermit meine Meinung kundtun:

Ich glaube, du hast die Begriffe Waidgerechtigkeit und Hege nicht verstanden. Im Wesentlichen stimme ich dir aber zu.

Im Einzelnen heißt das:

Du schreibst: "Die Nachhaltigkeit der Jagd fordert ein Bekenntnis zum ökologischen Jagdgesetz..."

Lassen wir mal das Gesetz als solches beiseite. Ökologisch bzw. Nachhaltige Jagd ist unvermeidlich, allerdings reicht das nicht aus.

Beispiel:
Nachhaltigkeit bedeutet, dass die Ernte (z.B. bei der Holzwirtschaft) eine Menge nicht überschreiten darf, die Nachwächst. Auf die Jagd übertragen würde das bedeuten, dass eine gewisse "Ernte", welche durch die jeweilige Population "generierte" Reproduktion generiert wird, zu erlegen ist. Hört sich jetzt deutlich kalt an, was mich sehr an dem Wort Nachhaltigkeit in Zusammenhang mit Tieren stört. Aber lassen wir das beiseite...
Jedenfalls steht fest, dass bei ausschließlicher Anwendung des Prinzipes der Nachhaltigkeit keine Hege mehr stattfindet, das Jagdgesetz wird zu einem passiven Gesetz, ähnlich dem Naturschutzgesetz. Das bedeutet, dass Wildarten wie z.B. der Feldhase, welcher in einigen Revieren ohne Hege durch unsere Kulturlandschaft nicht überlebensfähig währe, ausstirbt. Das kann nicht im Sinne der Menschheit sein. Problematisch an Naturschützern ist, dass es viel zu viele gibt, die nicht wissen, wovon sie reden und viel zu wenige, welche fachlich ernst zu nehmen sind. Daher kann eine Nachhaltigkeit nicht Ziel der Jagd sein, sondern muss durch Begriffe wie Hege und Waidgerechtigkeit bei weitem übertroffen werden.

Wir dürfen nicht vergessen, dass Tiere Lebewesen sind und keine Autos oder Kühlschränke. Ist es im Wald moralisch akzeptiert (wenn auch nicht sinnvoll) eine Monokultur anzupflanzen, währe eine "Monokultur" im Wildbestand undenkbar.

Ein Wort zur Raubwildbejagung: Wie soll deiner Meinung nach Tollwut eingedämmt werden und sog. Niederwild erhalten werden, wenn nicht durch eine angepasste Raubwildbejagung? Und außerdem lernt jeder in der Jagdschule, dass eine Artgerechte Bejagung wichtig ist. Dabei gibt es die Vorgabe, dass z.B. viel mehr Jährlinge erlegt werden, als Trophähenträger. Also ist deine These Käse!

Franz hat gesagt…

Lieber Stefan Fügner,

zu deinen Gedanke über die (scheinbar) gestiegene Sensibilisierung unserer Gesellschaft für Nachhaltigkeit erlaube ich mir ein paar Anmerkungen: ich bin nämlich fest davon überzeugt, dass -um bei den gewählten Beispielen zu bleiben- für die allermeisten nicht ein gestiegenes Umweltbewußtsein der Grund für den Kauf eines Sprit sparenden Autos oder eines Elektrogerätes mit geringem Stromverbrauch ist, sonder einzig und allein die (stark) gestiegenen Energiepreise. Das wussten die "Grünen" schon vor rd. 20 Jahren, dass nur dann sparsamer mit Energie umgegangen wird, wenn sie entsprechend teuer ist! So kam auch zu der damals schockierenden Aussage, ein Liter Benzin müsse 5 Mark (!) kosten, damit sich am Verhalten etwas ändere.

Der "Gegenbeweis" ist für mich die gewaltige Zunahme des Flugverkehrs, seit Fliegen so billig wurde. Und häufig gerade solche Leuten, die sich gerne als das "grüne Gewissen" verstehen, würden nie und nimmer auf einen Flug in den Urlaub verzichten, obwohl ihnen bekannt ist, dass sie durch die enormen Emissionen (u.a.) den Eisbären das überlebensnotwendige Eis unter dem Hintern wegschmelzen!

Fazit: Man redet zwar gern über ökölogische Notwendigkeiten, fortert diese aber nur ein, wenn es den eigenen Interessen nicht zuwider läuft (die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen)



Gruß und Waidmannsheil,

Franz

Helmut Sieghörtner hat gesagt…

Guten Tag,



ich bin Helmut Sieghörtner, Grundbesitzer, Waldbesitzer und Pächter unseres Genossenschaftsrevieres.



Wovon Sie Ihren Lebensunterhalt bestreiten kann ich leider nicht erkennen, möchte jedoch auf einige Dinge hinweisen

Ökologischer Wald und Nachhaltigkeit,

Sie haben vermutlich noch nicht erkannt, dass es dem Wald bzw. dem Baum aus ökologischer Sicht und auch aus Sicht der Nachhaltigkeit vollkommen egal ist , ob er mit oder ohne Zaun aufwächst, es geht hier lediglich um die Wirtschaftlichkeit bzw um die Habgier des Waldbesitzers zu befriedigen.

Ein verbuschter Wald erfüllt die ökologischen Anforderungen jedoch nicht die Wirtschaftlichen!



Zum Thema Niederwild und Fuchs:



In unserer Hegegemeinschaft wurden in den letzten 15 Jahren ca. 10mal soviele Füchse wie Hasen erlegt.



Von der Seuchen- und Krankheitssituation ganz zu schweigen, wie kann man nun zur Fuchsbejagung so unqulifizierte Äusserungen von sich geben!



Rebhühner wurden in den vergangenen 30Jahren nicht mehr erlegt und seit 4Jahren (übermäsige Falkenpopulation) nicht mehr gesehen!

Usw. usw.

Fazit:

Bevor man so unqulifizierte Äusserungen von sich gibt sollte man sich mit der Realität beschäftigen!!!!



Grüße

Helmut Sieghörtner