12.1.12

Die Bezahljagd- das rote Tuch der deutschen Jägerschaft

Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter in der deutschen Jägerschaft so sehr , wie die Bezahljagden. Dies gilt für die Standgelder auf Drückjagden ebenso, wie der Verkauf von Einzelabschüssen. Diese Art der Jagd ist in Deutschland verpönt und wird deshalb überwiegend von Auslandsjägern genutzt, wenn sie dann angeboten wird.

Der Begehungsschein - die deutsche Art der Bezahljagd

Verfolgt man die Diskussionen an den Jägerstammtischen, könnte man glauben, dass alle Jäger, die kein Revier haben, in Deutschland kostenlos zur Jagd gehen, weil sie ständig von einem großzügigen Pächter eingeladen werden. Dem ist natürlich nicht so. Der revierlose Jäger in Deutschland muss sich auf dem völlig undurchsichtiger Markt der Begehungsscheine bedienen. Dort werden gegen Handgelder, die in der Regel Hegebeitrag genannt werden, vom Jagdpächter Einnahmen erzielt, um einen Teil der Jagdbetriebskosten zu decken. Geschmückt wird dieser Begehungsschein noch mit Verpflichtungen zur Revierarbeit und/oder der Wildbretübernahme. Hier soll der Eindruck erweckt werden, man leistet ehrenamtliche Arbeit und übt keine Bezahljagd aus.
Das Problem dieser Einnahmen ist es aber, dass sie oft mit dem Jagdpachtvertrag unvereinbar sind und somit Außenstehenden verborgen bleiben müssen. Ein absoluter Tabubruch ist es, diese Art der Jagd dann noch Bezahljagd zu nennen, über die Handgelder und deren Höhe legt man den Mantel des Schweigens.
In diesen völlig undurchsichtigen Markt der oft rechtswidrigen Begehungsscheine müssen sich Jungjäger erst einmal über viel Jahre hineinarbeiten, ist es doch eine zugegebenermaßen urdeutsche Art der Bezahljagd, die vielen unbedarften Jungjägern zeitlebens verschlossen bleibt.
Dabei wundern sie sich, dass sie oft jahrelang keine Jagdeinladung bekommen, ist doch der großzügige Jagdpächter, der zur Jagd einlädt, ein scheinbar ausgestorbenes Wesen. Nach vielen Jahren des Wartens stellt man dann fest, dass dieser Jagdpächter, wenn es ihn dann gibt, nur in der Erinnerung einiger Stammtischjäger existiert.

Jagddienstleistung - eine in Deutschland unbekannte Tätigkeit
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Dass die Bezahljagd überwiegend von Ausländern in Anspruch genommen wird, hat einen einfachen Grund. Die Dienstleistung rund um die Jagd ist in den meisten Ländern eine übliche und anerkannte Dienstleistung. Die Deutschen, das zeigen Vergleiche mit dem Ausland, sind nicht nur Dienstleistungsmuffel. Auch bei der Bezahlung von Dienstleistung sind die Deutschen im internationalen Vergleich äußerst knauserig und sind immer im hinteren Feld zu finden. Bei uns stellt der Dienstleistungssektor die meisten Geringverdiener. Warum soll dies im konservativen Jagdwesen anders sein.
Doch ein Blick über den deutschen Tellerrand hinaus ist von Nöten.
Hier gilt es, Länder mit einem professionellen Jagdmanagement einem Vergleich mit Ländern ohne ein solches zu unterziehen. Hier haben Studien bewiesen, dass dort und nur dort, wo ein professionelles Jagdmanagement betrieben wird, auch der Artenschutz funktioniert und dort das Jagen in der Öffentlichkeit eine breite Zustimmung findet, schließlich liegt die Leitung bei der Ausübung der Jagd durch Hobbyjäger in profesionellen Händen. Die Einnahmen aus der Bezahljagd der Freizeitjäger kommen zudem dem Arten- und Landschaftschutz zugute.

Gesetzliche Veränderungen werden die deutsche Jägerschaft zum Umdenken zwingen

Für viele Jäger unbemerkt haben sich in den letzten Jahren schleichend gesetzliche Veränderungen vollzogen. Es ist nicht mehr nur das Jagdrecht, was den Jäger zu einer waidgerechten Jagd verpflichtet. Der Tierschutz und die Hygienevorschriften haben massiven Einfluß auf die Jagd und den Begriff der oft schwammig auslegbaren Waidgerechtigkeit abgelöst.

Am Beispiel der Statistik der Schwarzwildbejagung zur Wildschadensabwehr im Lehrrevier mit 970 ha soll dies verdeutlicht werden:

Im Jagdjahr 2010/11 wurden neben 35 Stück Rehwild 52 Sauen erlegt. Nur so konnte der Wildschaden nachhaltig eingedämmt werden.
Die erlegten Sauen ergaben ein Gesamtgewicht von 2,1 Tonnen Wildfleisch.
Ohne die Hilfe von Jagdgästen wäre die Strecke nicht erzielt worden, 80 % der Sauen wurden von Jagdgästen erlegt.
Etwa 25 % aller Erlegungen zieht eine aufwendige Bergung mittels Bergehaken über mehrere 100 Meter oder eine mehr oder weniger schwierige Nachsuche nach sich.

Um einerseits dieses Ergebnis zu erzielen, andererseits die gesetzlichen Bestimmungen zu erfüllen, bedarf es einer professionellen Jagdbewirtschaftung:

Bei Gruppenansitzen, die einen hohen Erfolg garantieren, müssen Hundeführer und Bergefahrzeug in der Bereitstellung stehen. Schon wenige Minuten nach dem Schuss muss der Hundeführer mit Bergefahrzeug am Anschuss sein und bergen und/oder nachsuchen. Das erlegte Stück muss in den kühlen Jahreszeiten binnen 2 Stunden versorgt im vorgekühlten Kühlhaus hängen, längere Zeiträume sind aus Hygienegründen nicht zu verantworten. Im Sommer sollte der Zeitraum maximal 1 Stunde betragen.
Der Hundeführer muss sofort und immer verfügbar sein. Ein Herbeirufen erst dann, wenn nach Untersuchung des Abschusses Schweiß gefunden wird, ist aus Tierschutzgründen in der heutigen Zeit kaum noch vertretbar.
Im Mittel fielen für die Bergung, die eventuelle Nachsuche, die Versorgung am Kühlhaus und die Probenentnahme für Trichinenbeschau bei 52 Sauen 2,5 Stunden Arbeitszeit/erlegte Sau an. Völlig unabhängig von den zusätzlichen Kosten für Fahrzeug und Kühlhaus sind diese Arbeiten unmöglich von einem ehrenamtlichen Jagdhelfer zu erbringen.

Viele Jagdpächter klagen über den hohen Wildschaden durch Schwarzwild, machen sich aber kaum Gedanken, mit welchen Kosten und mit welcher Logistik eine tierschutzgerechte und den Hygienevorschriften entsprechende Jagdausübung verbunden ist.
Auch glauben viele Jagdpächter, mittels zahlenden Begehungsscheininhabern, die in der Regel zusätzlich zur Jagd noch Beruf und Familie haben, den gesetzlichen Verpflichtungen als Jagdpächter gerecht zu werden. Die Jagd ausschließlich mit ehrenamtlichen Helfern so zu erbringen, dass alle Bestimmungen des Jagdrechts, der Hygiene und des Tierschutzes eingehalten werden, stößt an ihre Grenzen. Ein Umdenken in der deutschen Jägerschaft ist dringend notwendig.

Fazit:

Die verschärften Gesetze in der Jagdausübung werden die Jäger früher oder später zum Umdenken zwingen. Eine Jagd, die sich ausschließlich auf ehrenamtliche Helfer stützt, wird den gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr gerecht.
Die Bezahljagd braucht auch in Deutschland ein besseres Image. Bezahljäger sorgen mit ihren Beiträgen dafür, dass die Jagd in Deutschland von hauptberuflichen Jägern professionell organisiert werden kann, damit auch in Zukunft die Jagd in Deutschland sicher und vor allem den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend ausgeübt wird.

Eine Tabuisierung oder gar Dämonisierung der Bezahljagd ist für die Zukunft der Jagd nicht dienlich, sondern versperrt den Blick in die Zukunft.

waidmannsheil

Euer

stefan

Kommentare:

Jäger Werner hat gesagt…

Hallo, man kann auch anders jagen. Ursprüngliche und auch bodenständige Jagd war und ist immer eine Dienstleistung. Darum sollte man schon überlegen dürfen, wie man das in unserer Zeit in diesem Sinne gestalten kann. Ein Ansatz wäre jährlich Jagdbetriebskosten von allen Jägern zu erheben. Ausnahmen sollten nur Jagdleiter bilden, die den täglichen Jagdbetrieb managen. Diese Jagdbetriebskosten müssten alle Kosten der Jagddurchführung auf einem bestimmten Territorium beinhalten. Hundeführer werden aus diese Einnahmen entsprechend ihrem vom Jagdleiter bestätigten Einsatz vergütet.Die Erlöse aus dem Verkauf des erlegtem Wildes erhalten die jeweiligen Grundeigentümer. Die Jägerschaft erhält einen Schützenanteil in Höhe von zum Beispiel 10%. Reine Eventjäger sollten für die Kosten der Dienstleistung Jagd aufkommen. Dass dies so oder so ähnlich funktioniert, könnte man belegen, auch am Beispiel der Jagdgesellschaften der DDR. Gruß und Weidmannsheil

Hinnerk hat gesagt…

Es es werden locker hohe Summen für die Pacht oder den Kauf von Jagdrevieren oder Waffen aufgebracht um sich anschließend damit zu schmücken.

Schön wenn die Jagdherrschaft dann auch die Art der Jagdausübung professionalisiert.

Es gibt wirklich gut vorbereitete Drückjagden, auf denen alle Schützen sorgfältig ausgesuchte Stande auf Drückjagdständen erhalten, das Wild nach der Jagd schnell und sauber versorgt wird. Auf denen auch die entsprechenden Bedingungen geschaffen wurden für eine hygienische Weiterverarbeitung des erlegten Wildes.

Schöner wäre es allerdings, wenn noch mehr Jagdherren in diese nicht repräsentative jagdliche Infrastruktur adäquat investieren würden.

Als Stöberhundgruppe versuchen wir uns in einem ganz speziellen Bereich der Jagdausübung zu professionalisieren. So legen wir viel Wert auf die zielgerichtete Ausbildung unserer Hunde. Für die Jagdausübung stellen wir die Gespanne den jeweiligen Revierverhältnissen entsprechend zusammen. Auch unsere Hundeführer bilden wir regelmäßig fort. Dies geht von der Art der Jagdausübung über geeignete Jagdmunition und Erste Hilfe in schwierigen jagdlichen Situationen bis hin zur Organisation von Drückjagden.

Auch unseren Jagdherren stehen wir gerne beratend zur Seite und helfen bei der Auswahl der Drückjagdstände und sprechen letzendlich die Art des Einsatzes der Hundeführer und Ihrer Hunde ab. Auch stimmen wir die Zahl der Hunde auf die jeweiligen Revierverhältnisse ab.

Darüber hinaus nutzen wir die Vorteile der Technik um mehr Erkenntnisse über unsere Hunde und Ihre Art des jagens zu gewinnen. So haben wir in dieser Saison dank der Hilfe der Jagdabgabe in Schleswig-Holstein Ortungsgeräte von Garmin eingesetzen können. Nicht nur das wir unseren Hunden so gegebenfalls schneller zur Hilfe eilen können und gefährliche Situationen schneller auflösen können. Wir haben auch bereits vermeintlich gefehltes Wild bergen helfen können, welches unsere Hunde gestellt und niedergezogen haben.

Wir sehen uns hier auf einem richtigen Weg. Im Prinzip erbringen wir hier eine jagdliche Dienstleistung von hoher Qualität. Diese verursacht auch bei uns natürlich hohe Kosten für Ausrüstung, Technik und Fortbildung. Die wir uns über einen Kostenersatz von den Jagdherren wiederholen. Aber auch wir spüren regelmäßig einen hohen inneren Widerstand, wenn es um die Entlohnung unserer und unserer Hunde Tätigkeit geht. Dies gilt selbst auch für diese sogenannten Bezahljagden.

Für mich eine unverständliche Diskrepanz. Auf der einen Seite wird ein irres Geld für Jagdreviere und Waffen ausgegeben. Auf der anderen Seite knausert man an der jagdlichen Infrastruktur und der professionellen Ausrichtung einer Jagd.

So wie es aussieht haben wir hier noch dicke Bretter zu bohren.

Axel hat gesagt…

Hallo Stefan, Dein Artikel strotzt vor Ungereimtheiten.

Du schreibst von Studien zum Effekt professioneller Jäger auf den Artenschtuz. Zitiere doch mal welche Studie(n) und wer da was gesagt hat. Einfach so kann ja jeder alles behaupten.


Was haben den Hygienevorschriften mit der Waidgerechtigkeit zu tun? Und wieso sollte ein Hygienegesetz die Waidgerechtigkeit ablösen??

Du schreibst von 52 Sauen und 2,1 Tonnen Gesamtgewicht? Wildfleisch?

Bei 50% Ausschlachtergebnis bleibt von der aufgebrochenen Sau nur die Hälfte als Wildfleisch übrig, der Rest sind Knochen, Haupt, Schwarte, Feist. Dann wären Eure Sauen im Schnitt 80 kg schwer, das glaube ich nicht.

Die nackten Zahlen geteilt macht einen Schnitt von 40! kg pro Sau.

Schießt Ihr keine Frischling? Kein Wunder, dass Ihr so viel Schaden habt.

Bei der Behauptung "wenige Minuten nach dem Schuß" müsse der Hundeführer nachsuchen sträuben sich mir die Haare! Die Viertelstunde die die Umgebung braucht, um den Schnussknall nicht mehr mit dem auftauchenden Jäger verknüpfen zu können bleibt ein "waidgerechter" Jäger erstmal ruhig sitzen. Sonst lernen nämlich die anderen Sauen, wer da woher geschossen hat.

Dann dauert es seine Zeit zum Anschuß zu laufen, diesen zu begutachten und festzustellen die Sau liegt nicht.

Entweder ist dann klar die Sau ist aller Wahrscheinlichkeit nach tot, der Schütze geht gucken, oder die Sau ist fort, es muß nachgesucht werden.

Damit nachgesucht werden kann muß braucht die Sau Zeit damit sie auch krank werden kann. Wenn Du mit Deinem Hund "wenige!!" Minuten nach dem Schuß hinter der Sau herstocherst ist die fort.

Außerdem: Wann schießt Ihr Eure Sauen? Nachsuche schreibt man ohne "T" sonst wäre es ja eine Nachtsuche...

Wenn die Nachsuchen teilweise wirklich so schwer sind wie Du behauptest, ist es tierschutzwidrig so schnell hinterherzurennen. Du vergrößerst Leid und kürzt es nicht ab!

Zu Deinem Fazit denke ich nur, entweder gelten Gesetze, dann muß ich schon umgedacht haben oder ich jage gerne mit Gästen die nichts bezahlen und bin auch gerne zu Gast ohne was zu zahlen. Dazu brauche ich keine neuen Gesetze.

Solange jemand als bezahlter Gast jagen will ist es gut, wenn er für die Dienstleistung auch bezahlt. Aber gleich das ganze System zu ändern? Wegen vermeintlich anstehender Gesetzesänderungen? Geht das nicht ein bisschen zu weit?

Gruß Axel

pudlich hat gesagt…

So denn doch nicht...

Wer ein Revier pachtet, nimmt nicht nur die Pflicht zur regelmäßigen Pacht - und Steuerzahlung sowie des Beitrags zur Berufsgenossenschaft auf sich, sondern auch die Verpflichtung zur Hege.
Und auch die kostet Geld, sei es für Anlage und Unterhalt von Jagdeinrichtungen, sei es für Futtereinrichtungen oder - mittel, sei es für Geräte und Werkzeuge. Oder einfacher gesagt, es gibt feste und laufende Kosten. Eine Beteiligung von Mitjägern an den laufenden Kosten nennt man Hegebeitrag und den zahlen Jagdherren und Inhaber von Begehungsscheinen gemeinsam.

Schon unter diesem Aspekt liegt der Verfasser völlig falsch mit der Behauptung, die Vergabe von an einen Hegebeitrag gekoppelten Begehungsscheinen habe etwas mit Bezahljagd zu tun.
Ein weiterer und ebenso gravierender Unterschied liegt in der rechtlichen Situation. Der Inhaber eines Begehungsscheines unterliegt einer auf das Jagdjahr bezogenen Freigabe, was bei sog. Bezahljagden zweifellos nicht der Fall ist, denn hier bezieht sich die Freigabe immer auf den einzelnen Jagdtag.

Auch erwähnenswert scheint mir ein weiterer, nein, eigentlich der wesentliche Unterschied:
Der durch Zahlung eines Hegebeitrages für längere Zeit ins Revier gekommene Jagdkamerad übernimmt nicht nur das Recht, Wild zu erlegen, er erwirbt ausserdem die Pflicht, sich bei Hege und Pflege des Revieres einzubringen. Dies unterscheidet ihn gravierend vom Bezahljäger, der hat keine Rechte und Pflichten ausser dem, nach Freigabe zu schießen.

Und damit kommen wir zum Anlass des Artikels.
Zweifellos ist die Teilnahme an Bezahljagden in Teilen der Jägerei tabuisiert, ähnelt doch der Inhaber eines Begehungsscheines im Idealfall dem Patenonkel der Familie, wohingegen der Bezahljäger in seinem Auftreten und Anspruchsdenken häufig irgendwie an einen spießigen, häßlichen Bordellbesucher erinnert, der einmal im Jahr mit Mutters Haushaltsgeld mal so richtig die Puppen tanzen lässt.


Vergleicht man den Trend zur Bezahljagd mit der allgemeinen Entwicklung im Freizeitbereich, so sind die Parallelen augenfällig:
Die Bereiche, in denen neben einem höheren finanziellen Engagement auch eine längere zeitliche Bindung eingegangen werden muß, sind seit Jahren rückläufig. Als Beispiel hierfür seien Reitsport oder auch der Wassersport genannt. Hingegen prosperieren die Sparten, in denen die Interessenten von Event zu Event eilen, um nach einiger Zeit resp. einigen Teilnahmen saturiert oder enttäuscht das Tätigkeitsfeld zu wechseln. Dieser nicht zuletzt den zahlreichen Jagdschulen einen ungeahnten Aufschwung verleihende Trend hat für die Jagerei fatale Folgen, denn der jagdethische Aspekt der Jagd, die zunächst einmal dienende Funktion des Jägers und Hegers geht mehr und mehr verloren. Der Jäger beschränkt sich aufs Schießen und mutiert so schlimmstenfalls zum rein forstlich - betriebswirtschaftlich handelnden Schalenwild-Schädlingsbekämpfer.

Anonym hat gesagt…

Stefan, dein Artikel hat für mich ein wenig das Gschmäckle einer Marketingaktion für Euer Lehrrevier.

Ich weiß nicht, wie es in anderen Revieren aussieht, aber ich kenne den Hegebeitrag nur als Mittel um den finanziellen Aufwand für Pacht und Hegemaßnahmen gerecht auf die dort jagenden Jäger zu verteilen. Auch den beschriebenen Aufwand (Bergung von Wild, Nachsuche, Bau von Reviereinrichtungen etc.) verteilen wir gerecht auf alle.

Ich finde, dass uns Jäger hier mehr Toleranz gut zu Gesichte stehen würde:
Wenn jemand Verantwortung übernehmen will, sich engagieren, wirklich mitarbeiten will soll er dies in einem „klassischen“ gepachteten Revier tun.
Wem der Heckmeck mit Jagdherr und den daraus erwachsenden Aufwand zu viel ist der geht zum Staat und frönt in einem Pirschbezirk seiner Passion.
Wem der Sinn nach höherem steht „kauft“ sich den kapitalen Hirsch für 20.000 Euronen, zieht zur Gamsjagd ins Gebirg oder zur Schwarzwildhatz auf ein Hauptschwein in die Türkei.

Für mich persönlich ist wäre dieseArt zu jagen nichts. Ich muss zu der Gegend und den dort lebenden Leuten und dem dort vorkommenden Wild einen Bezug haben um das Erlebte ohne schalen Beigeschmack genießen zu können. Und ein Haufen wohlgestalteter Knochen an der Wand dessen ehemaligen Besitzer ich nur ein einziges mal 5 Minuten vor dessen Ableben zu Gesicht bekommen habe würden mit persönlich keine Freude bereiten. Gleiches gilt für mich für die Jagd auf seltene oder bedrohte Arten…

Nichts für ungut, Werner

Anonym hat gesagt…

Pudlich spricht mir aus dem Herzen! Danke dafür!

Weidmannsheil!
Falk

Stefan hat gesagt…

Lieber Axel,
lieber Pudlich,

zu Euren Kommentaren will ich wie folgt Stellung nehmen.

Strecke Schwarzwild:
Erfasst wird das Wild, wenn es aufgebrochen an der Waage vor dem Kühlhaus hängt. Diese erste Gewichtserfassung ergibt richtigerweise 42 kg/Sau. 70% der Sauen sind Frischlinge und Überläufer.

Mir geht es aber gar nicht um eine Diskussion um die Strecke, sondern um die wirtschaftlichen, hygienerechtlichen und tierschutzrechtlichen Konsequenzen, die sich aus einer notwendigen Bejagung ergeben.

Nun habe ich genügend Einblick in die Bewirtschaftung anderer Reviere und kann nur feststellen, dass dies mit Hobbyjägern und ehrenamtlichen Helfern alleine nicht (mehr) zu bewältigen ist.
Insbesondere unter dem Aspekt, dass in Brandenburg das Durchschnittsalter der Jäger
bei 66 Jahren liegt. Ob diese Erkenntnis sich bei den Jagdpächtern schon durchgesetzt hat, wage ich zu bezweifeln.

Bezahljagd und Artenschutz:

In Afrika gibt es Länder, in denen die Bezahljagd unter strengen Auflagen erlaubt ist. Mit den Einnahmen wird der Jagdschutz (Wildereibekämpfung) und der Artenschutz finanzert.Der Jagddienstleister verpflichtet sich, alle Gelder zweckgebunden im Inland zu reinvestieren. Der Jagdtourismus ist in diesen Ländern oft die größte Einnahmequelle und gibt einigen Menschen Arbeit. In afrikanischen Ländern hingegen, in denen die Bezahljagd verboten ist, herrscht das Chaos. Wilderei hat dort zum Aussterben vieler seltener Tierarten geführt. Es fehlt das Geld für Jagdschutz und Artenschutz

In der Schweiz wurden die Einnahmen aus der Bezahljagd u.a. zur Wiedereinbürgerung des Steinwildes eingesetzt. Die Jäger haben mit ihren Jagdlizenzen das Projekt bezahlt. Den schweizer Steuerzahler kostete die Wiedereinbürgerung des Steinwildes keinen Franken. Mittlerweile werden wieder Einnahmen aus dem Abschuss kapitaler Steinböcke erzielt, die meistbietend versteigert werden. Auch diese Einnahmen kommen ausschließlich der Pflege der schweizerischen Alpen zugute.

Auch den Vergleich zu anderen Sportarten, wie ihn Pudlich anführt, lasse ich nicht gelten.
Professionelle Jagdführer haben genau diese Entwicklung zu verhindern. Sie haben nicht nur für eine saubere Jagd zu sorgen. Sie haben den Jagdgästen einen nachhaltigen Umgang mit der Natur zu vermitteln. Es gilt beim Jagen eben nicht der sicherlich moderne Grundsatz der Gewinnoptimierung, sondern ausschließlich der Grundsatz der Nachhaltigkeit.
Die Einnahmen aus der Bezahljagd fließen immer vollständig in die Region, in der sie eingenommen werden. Alle Mittel dürfen nur der professionellen Jagdbewirtschaftung, der Biotoppflege, des Artenschutzes und zur Sicherung einer artenreichen Natur ausgegeben werden.

Nur weil die Jagd mehr Professionalität benötigt, zieht dies nicht zwangsläufig Profitgier und eine Abschaffung jagdlicher Traditionen nach sich.

wmh

stefan

Anonym hat gesagt…

Hallo,
Ich glaube der Autor hat hier
das wesentliche Aspekt herausgelassen,
bewusst oder nicht bewußt.
Bezahljagd hat etwas mit Kaufen
und Verkaufen zu tun. Es gibt den
Verkäufer und Kunden - also den König.

Das ist eine klare Rollenteilung

Anonym hat gesagt…

Liebe Jäger....nirgendwo gibt es mehr Ärger, als beim Thema Jagd und Frauen. Und seien wir ehrlich, der steinzeitlich angewölfte Neidfaktor sorgt oft dafür. Ich bin selber Pächter einiger Spitzenreviere und gebe Stefan recht, dass kaum jemand den Aufwand durchblickt. 17 Stück Schalenwild auf 100 ha Revierfläche bei einer meiner Waldjagden von knapp 800 ha erlegen wir seit Jahren nachhaltig....bestimmt nicht, weil wir dort sitzen. Höchstes Management, gute Jagdstrategien und viel Geld sind nötig. Warum soll jemand mit einem Begehungschein dort jagen? Um für kleines Geld große Ansprüche zu stellen, dem Pächter maulend und fordernd im Ohr zu liegen? Der zahlende Gast, dem man eine gut organisierte Jagd bietet, zahlt gerne und fährt dankbar weg,,um als Stammkunde wiederzukommen. Warum nicht diese Art von Einnahme nutzen, um Reviere stets zu verbessern.
Da ich im Bankenwesen arbeite noch ein weiterer Einwurf. Wieviel Jäger zittern denn bereits Anfang Januar, weil bald Pacht gezahlt werden muss? Finanzieller Druck und schnell Scheine vergeben mit hohen versprechen für schnelles Geld....jedes Jahr finden sich Opfer. Startet mal einen Aufruf! Schaut mal bei Jagdreviere online....fazit: Stefan hat in vielen Punkten recht. So lange man im Rahmen seines Abschussplans unter Hegegesichtspunkten Jagd verkauft, ist doch alles o.k. Warum nach Polen oder Ungarn? Wegen Jagd und Frauen? Gibt nur Ärger!